Porsche 935: Moby Dick wird neu aufgelegt

Porsche hat auf der “Rennsport Reunion” auf dem Raceway in Laguna Seca ein Fahrzeug präsentiert, dessen Vater mich seit Quartett-Tagen begleitet: Den neuen 935. Wer “Moby Dick” damals auf der Hand hatte, konnte sich ziemlich sicher sein, die Runde zu gewinnen. Der neue dürfte in Zukunft eine ähnliche Rolle spielen: 515 kW / 700 PS dürften schwer zu toppen sein. Ein Quartett-Blatt wird es für die meisten Menschen allerdings auch bleiben – der neue Porsche 935 wird lediglich in einer Kleinserie von 77 Stück produziert.

Außerdem muss man ihn sich leisten können: Porsche ruft nicht weniger als 701.948 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer auf, auch aus dieser Perspektive betrachtet wird der 935 für die Meisten daher wenig mehr als ein Wunschtraum bleiben. „Dieses spektakuläre Auto ist das Geburtstagsgeschenk von Porsche Motorsport an die Fans in aller Welt“, so Dr. Frank-Steffen Walliser, Leiter Motorsport und GT-Fahrzeuge. „Da das Auto nicht homologiert ist, mussten Ingenieure und Designer nicht den üblichen Reglements folgen und konnten sich dementsprechend frei entfalten.“ Genauso wenig mussten sie sich an Straßenverkehrsnormen halten, denn der 935 ist als Rennwagen für Clubsport-Veranstaltungen und private Rennstrecken-Trainings gedacht. Wem die Leistungsdaten bekannt vorkommen: Der Antriebsstrang ist weitgehend identisch mit dem des 911 GT2 RS.

Fotos vom Porsche 935:

Dementsprechend sorgt auch im 935 der bekannte 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung für Rennstreckenvortrieb. Platz genug wäre dabei im 935 sicherlich auch für einen Mittelmotor und die damit verbundene bessere Gewichtsverteilung gewesen. Das hätte aber eine Neuentwicklung für eine Kleinserie von lediglich 77 Fahrzeugen bedeutet. Und wer den GT2 RS-Motor schonmal erleben durfte weiß, das kein Motorsport-Enthusiast über die Leistungsdaten oder den Klang unzufrieden sein könnte. Die Kraft wird über Porsches 7 Gang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) mit starrer Aufhängung an die 310er Hinterräder übertragen. Geschaltet wird Wie bei den anderen 911er GT-Straßenmodellen über Schaltwippen am Lenkrad. Verzögert wird an der Vorderachse mit Sechskolben-Aluminium-Monobloc-Rennbremssätteln in Kombination mit innenbelüfteten und geschlitzten Stahlbremsscheiben mit 380 mm Durchmesser, an der Hinterachse mit Vierkolben-Sätteln und 355 mm-Scheiben. Die dürften keine große Mühe mit den lediglich 1.380 kg des 935 haben. Ebenfalls an Bord ist Porsches Fahrstabilitätsprogramm PSM inklusive Traktionskontrolle und ABS. Alle Systeme lassen sich mit einem Map-Schalter auf der Mittelkonsole separat einstellen oder komplett abschalten.

935-Bodykit aus CFK

Wie bereits beim historischen 935 wurden große Teile der Karosserie in Kohlefaser-Verbundwerkstoff (CFK) gefertigt oder ergänzt. Inklusive des langen Hecks kommt der 935 auf eine Länge von 4,87 Meter. In der Breite liegen 2,03 Meter an. Die Aerodynamik ist zwar eine komplette Neuentwicklung, aber unverkennbar an den originalen Le-Mans-Rennwagen Porsche 935/78, aufgrund der langgestreckten Form, des Breitbaus und der Grundfarbe weiß auch „Moby Dick“ genannt, angelehnt. Die auffälligen Radhausentlüftungen an den vorderen Kotflügeln, die auch beim 911 GT3 R zu finden sind, sorgen für Abtrieb an der Vorderachse. Der 1,91 Meter breite und 40 cm tiefe Heckflügel erledigt denselben Job an der Hinterachse und sorgt dafür, dass die Balance stimmt.

Auch sonst gibt es viele Anleihen an Porsches Motorsport-Historie: Die aerodynamisch verkleideten Felgen erinnern an den 935/78, die LED-Rückleuchten an den Seiten des Heckflügels an den LMP1-Rennwagen 919 Hybrid. Die Außenspiegel spendete der amtierende Le-Mans-Sieger 911 RSR, die Endrohre aus Titan sind vom Porsche 908 aus dem Jahr 1968 abgekupfert. Dasselbe setzt sich auch im Innenraum fort: Der Schalthebel ist in Schichtholz-Optik gehalten und erinnert unter anderem an den 917, den 909 Bergspyder oder den Supersportwagen Carrera GT. Carbon-Lenkrad und Farbdisplay aus dem Cockpit stiftete der 911 GT3 R. Ein Rennsportkäfig verspricht zusammen mit dem Rennschalensitz und Sechspunkt-Gurten ein hohes Sicherheitsniveau. Ein Beifahrersitz ist optional ebenso erhältlich wie eine Klimaanlage.

Dass der 935 kein Schnäppchen wird, war klar. Dass der Preis jedoch mit 701.948 Euro zzgl. länderspezifischer MwSt. in Richtung Hypercar geht, ist doch etwas überraschend. Die Auslieferung beginnt im Juni 2019.

Fotos: Porsche

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Maik
Maik
1 Jahr zuvor

Allein wegen dem Motor würde ich den schon kaufen. Und der Porsche GT2 RS ist schließlich ausverkauft 😀

Martin
Martin
1 Jahr zuvor

Ich auch, der Motor ist die Endstufe 👍

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