Lamborghini Diablo vs. Ferrari F40

Die 1980er Jahre waren geprägt von Extravaganz und Übermaß. Von neonfarbenen Leggins über Turnschuhe mit Klettverschluss bis zu bunten Sakkos mit Schulterpolstern und dazu passenden Karottenhosen war nichts zu grell. Im Bereich der Supersportwagen hatte Ferrari 1987 mit dem F40 eine Ikone geschaffen, welcher Erzfeind Lamborghini mit dem bereits seit 1974 gebauten Countach kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Etwas neues musste her, ein echter Gegner für den F40: Der Lamborghini Diablo.

Als der Ferrari F40 herauskam, dachte die Presse zunächst, ein Rennwagen hätte sich auf normale Straßen verirrt. Kein Wunder, basiert der F40 doch auf einer Rennversion seines Vorgängers, des 288 GTO. Ein- und Auslasskanäle verteilen sich über die ganze Karosserie, die teilweise aus Carbon bestand. Dazu gab eine Spritzguss-Kunststoff-Abdeckung den Blick auf den 2,9 Liter-V8-Biturbo frei. So erreicht der F40 ein extrem niedriges Fahrzeuggewicht von nur 1.254 kg.

Das Projekt P132, wie der Diablo firmenintern hieß, gab sich dagegen nicht nur optisch brachialer: Ein 5,7 Liter großer V12-Saugmotor sollte für den nötigen Vortrieb sorgen, trieb aber auch das Gewicht in die Höhe. 1.575 kg wiegt der Diablo fahrbereit. Trotzdem rückte man in Sant’Agata Bolognese nicht von dem Plan ab, das schnellste Serienfahrzeug der Welt auf die Räder zu stellen. Neben jeder Menge Hubraum bekamen alle Diablo-Versionen dafür eine Saugrohr-Einspritzung. Doch reichte das gegen den F40?

1. Leistung und Drehmoment: Lamborghini Diablo

Der Lamborghini produziert 362 kW / 492 PS und 580 Nm. Der Ferrari ist minimal unterlegen: 352 kW / 478 PS und 577 Nm Drehmoment leistet der V8 bei 1,1 Bar Ladedruck. Punkt für den Lambo.

Fotos vom Lamborghini Diablo:

2. Beschleunigung: Ferrari F40

Bis 100 km/h bleibt es ein offenes Rennen: Beide Sportwagen brauchen 4,1 Sekunden. Danach macht sich das deutlich niedrigere Gewicht des Ferrari bezahlt, die Turbos erreichen vollen Ladedruck und er rast dem Lamborghini davon: Bis 200 km/h nimmt der F40 dem Diablo mit 11,0 Sekunden über zwei Sekunden ab (Lamborghini 13,6 Sekunden). 300 km/h erreicht der Ferrari in 32,5 Sekunden, der Diablo quält sich fast schon mit 46,8 Sekunden – das hohe Gewicht lässt ihm keine Chance. Das springende Pferd aus Maranello schlägt zurück.

3. Höchstgeschwindigkeit: Lamborghini Diablo

Bei der Höchstgeschwindigkeit könnte das Rennen nicht enger ausfallen: Der Ferrari schafft 324 km/h, für die damalige Zeit eine wahnsinnige Höchstgeschwindigkeit. Exakt 325 km/h stehen beim Lamborghini bei freier Bahn auf dem Tacho und die Ingenieure hatten ihre Vorgabe geschafft. Während der Entwicklung soll ein Prototyp auf der Rennstrecke in Nardo sogar 337 km/h gefahren sein. Und auch in unabhängigen Tests wurden die angegebenen 325 km/h mehrfach überboten.

Motorsound Ferrari F40 und Lamborghini Diablo:

4. Rennstrecke: Ferrari F40

Leider ist für keinen der beiden Supersportwagen eine Rundenzeit für die Nordschleife des Nürburgrings, dem Maßstab für sportliche Autos, bekannt. Der Lamborghini Diablo fuhr eine 8:04:00 Minuten in der 583 PS starken GT-Version und eine 8:09:00 Minuten in der 517 PS starken SV-Version. Für den normalen Diablo dagegen ist keine Zeit bekannt, genauso wenig wie für den F40. Die einzige Rundstrecke, die für beide Autos Zeiten ausweist, ist der hierzulande relativ unbekannte Tsukuba Circuit in Japan. Der Diablo umrundete ihn in 1:07:66 Minuten. Der F40 brauchte 1:03:73 Minuten. Punkt für den Ferrari.

Fotos vom Ferrari F40:

5. Preis: Lamborghini Diablo

Beim Neupreis macht wieder der Lamborghini Diablo das Rennen: Günstige 390.000 D-Mark brauchte es, schon konnte man in seinem neuen Supersportwagen Platz nehmen. Wer sich den Diablo als Wertanlage zulegte, wurde allerdings enttäuscht: Teilweise fielen die Preise in den letzten Jahren bis unter 30.000 Euro, und haben sich seitdem nur langsam erholt. Erst ab dem Diablo GT, dem ersten Lamborghini, der unter der Führung des neuen Besitzers Audi entstand, werden deutlich höhere Preise aufgerufen. Zurecht, sind doch die GT-Versionen deutlich zuverlässiger und haltbarer. Der Ferrari war leicht teurer: 444.000 D-Mark mussten zahlungskräftige Interessenten auf den Tisch legen. Wer das Geld aufbringen konnte, machte alles richtig: Heutzutage wechseln F40 in Auktionen regelmäßig für Millionen-Beträge den Besitzer.

SIEGER: 3 : 2 Lamborghini Diablo

Der Lamborghini Diablo gewinnt den Vergleich mit dem Ferrari F40. Er kann fast alles ein wenig besser als der F40, allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Bei der Leistung und dem Topspeed liegen die Autos fast gleichauf, während der Ferrari den Lambo bei der Beschleunigung und auf der Rennstrecke komplett zerstört. Eine Rundenzeit auf der Nordschleife würde sehr wahrscheinlich das selbe Bild zeigen. Spaß machen jedoch beide Autos. Und mit Blick auf den Gebrauchtmarkt ist, wenn überhaupt, nur der Diablo eine ernsthafte Option.

Fotos: Ferrari, Lamborghini

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Werner B
Werner B
1 Monat zuvor

Ganz schwer. F40 ist das Traumauto schlechthin. Aber das Design vom Diablo ist einfach klasse!

Marten
Marten
1 Monat zuvor

Zwei echte Legenden. Mein Favorit wäre der Lambo, hat mehr Ecken und Kanten als der Ferrari. Der F40 ist einfach aerodynamisch. Der Diablo dagegen ne brachiale Waffe.

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