Ford GT vs. Porsche 911 GT2 RS

Der Porsche 911 GT2 RS ist nach wie vor der stärkste Straßen-Porsche aller Zeiten (Elektro-Porsches mal ausgenommen), der schnellste Elfer der je gebaut wurde, und bis Juli 2018 auch noch der schnellste straßenzugelassene Sportwagen auf dem Nürburgring. Das ist schon eine Ansage, daher muss man auch ein bisschen suchen, bis ein würdiger Gegner gefunden ist. Der kommt heute aus Amerika, und zwar aus Detroit: Der Ford GT.

Dessen Vorgänger lief 2006 aus, dementsprechend groß waren die Erwartungen an den neuen Ford GT, der seit 2016 gebaut wird. In Gesprächen über das Auto fällt früher oder später immer der Vergleich mit einem Raumschiff. Der Hightech-Innenraum, die Luftführung durch das Fahrzeug hindurch und das Fahrwerk, welches den GT in Sekundenbruchteilen von 120 mm im normalen Fahrbetrieb auf bis zu 70 Millimeter für die Rennstrecke absenken kann begeistern Autofans in aller Welt. Selbst einen kleinen Kofferraum brachten die Ingenieure zwischen Motor und Heckschürze unter. Wobei die Bezeichnung Handschuhfach eigentlich besser passt: Ganze elf Liter lassen sich unterbringen.

Im schmal auslaufenden Mittelteil des GT sitzt das Herzstück: Ein 3,5 Liter großer V6-Biturbo-Motor, der sich 60% seiner Bauteile mit dem Motor des Ford Raptor teilt und dort 450 PS leistet. Unter anderem dank eines extrem steifen Monocoques aus Carbon muss er im GT lediglich 1.385 kg anschieben. Doch reicht das für die Pole Position gegen den 1.470 kg schweren Porsche 911 GT2 RS, den Platzhirsch unter den deutschen Supersportlern?

1. Leistung und Drehmoment: Porsche 911 GT2 RS

Der Porsche holt 515 kW / 700 PS und 750 Nm Drehmoment aus seinem 3,8 Liter großen 6-Zylinder-Boxer, der wie bei 911ern üblich im Heck sitzt und von zwei Turboladern aufgeladen wird. Der Ford kontert mit 441 kW / 600 PS und 746 Nm. Der Porsche hat damit satte 100 PS mehr Leistung, beim Drehmoment liegen die Kontrahenten fast gleichauf.

Fotos vom Ford GT:

2. Beschleunigung: Porsche 911 GT2 RS

Beide Autos gehen in grade mal 2,8 Sekunden auf 100 km/h – der Ford aufgrund des niedrigen Gewichts, der Porsche aufgrund der hohen Leistung. Danach wird es ein einseitiges Rennen: Je höher das Tempo, desto deutlicher setzt sich der Porsche ab. Bis 200 km/h braucht der GT2 RS 8,3 Sekunden, der Ford GT 9,3 Sekunden, bereits eine volle Sekunde Unterschied. Nach 23,1 Sekunden rennt der Porsche 300 km/h, der Ford braucht mit 33,6 Sekunden eine Ewigkeit länger. Ein deutlicher Sieg für den Zuffenhausener.

3. Höchstgeschwindigkeit: Ford GT

Doch beim Topspeed schlägt der Ford GT zurück: 347 km/h stehen bei freier Bahn auf dem Tacho. Der Porsche ist exakt 7 km/h langsamer, bei 340 km/h ist Schluss. Das liegt allerdings daran, das er abgeregelt wird aufgrund der weichen Gummimischung der Reifen. Dennoch, Punkt für den Ford GT.

4. Rennstrecke: Porsche 911 GT2 RS

Um jedoch wirklich beurteilen zu können, was ein Sportwagen zu leisten im Stande ist, braucht man Rennbedingungen, die den Autos alles abverlangen. Normalerweise ziehen wir dazu die Zeiten auf der Nordschleife des Nürburgrings heran, der Messlatte schlechthin für schnelle Autos. Dort ist der 911 GT2 RS aktueller Rekordhalter für straßenzugelassene Autos, für den Ford GT ist leider keine Zeit bekannt. Bekannt sind dafür Zeiten von vier anderen Rennstrecken, auf denen beide Fahrzeuge gestoppt wurden: Auf der Anglesey Coastal-Rennstrecke fuhr der Ford eine 1:14:23 Minuten, der Porsche eine 1:12:01 Minuten. Den Vairano Handling Course bestritt der Ford in 1:11:11 Minuten, der Porsche in 1:08:25 Minuten. Das gleiche Bild in Willow Springs: 1:23:69 Minuten für den Ford, 1:21:08 Minuten für den Porsche. Und auch auf dem Virginia International Raceway Grand East Course war der GT2 RS schneller: Der Ford brauchte 2:38.62 Minuten, der Porsche 2:37.80 Minuten. Sieg auf ganzer Linie für den Porsche 911 GT2 RS, der sich auf Rennstrecken wie zuhause fühlt.

Fotos vom Porsche 911 GT2 RS 991:

5. Preis: Porsche 911 GT2 RS

Der Porsche 911 GT2 RS der Baureihe 991 ist nicht nur der aktuell stärkste, sondern auch der teuerste Zuffenhausener: 285.220 Euro waren für die Basis-Version ohne Weissach-Paket fällig, trotzdem waren alle Fahrzeuge nach kurzer Zeit ausverkauft. Auch beim Ford GT gingen die für die Homologation nötigen 1.000 Exemplare weg wie warme Semmeln und sollen bis Ende 2020 ausgeliefert worden sein. Ford hatte allerdings rund sechsmal so viele Anfragen und ließ sich nicht nur vertraglich versichern, dass die Autos für einen Mindestzeitraum nicht weiterverkauft werden, sondern auch, dass die Fahrzeuge nicht nur in Tiefgaragen versauern, sondern regelmäßig gefahren werden. Trotzdem waren schon nach der ersten Produktion immerhin elf GTs in Deutschland gelandet.

Bis Ende 2022 werden zusätzlich nochmal 350 Stück im kanadischen Werk Markham gebaut und die Anmeldung wird erneut geöffnet. Denn für den Ford GT muss man sich bewerben: Auf www.fordgt.com gibt man neben Adressdaten und ähnlichem auch an, was man mit dem Auto vorhat, wie viele Kilometer man im Jahr voraussichtlich fahren wird und ob das Auto auf der Rennstrecke bewegt wird. Sollte man anschließend tatsächlich von Ford ausgewählt werden, wechseln in der Basisversion 550.000 Euro den Besitzer. Mit ein paar Extras, wie zum Beispiel den Carbonfelgen, summiert sich der Preis schnell auf 600.000 Euro. Wer hätte gedacht, dass der Porsche 911 GT2 RS mal in einem Vergleich das preiswertere Auto ist!

SIEGER: 4 : 1 Porsche 911 GT2 RS

Der Porsche 911 GT2 RS ist der klare Sieger im Vergleich mit dem Ford GT. Am Ende trennen ihn nur acht km/h Höchstgeschwindigkeit von unserem ersten glatten Zu-Null-Sieg. Davon abgesehen kann er alles besser als der Ford GT und kostet wenig mehr als die Hälfte. Klingt eindeutiger als es ist: Die Performance der beiden Autos kann man vermutlich nur sehr selten voll ausnutzen. Und das Design sowohl von außen als auch des Innenraums des Ford GT ist, zumindest für Auto-Enthusiasten, atemberaubend. Hält man sich jedoch an die Fakten, ist der Porsche 911 GT2 RS ganz klar das bessere Auto.

Fotos: Ford, Porsche

[Gesamt: 19   Durchschnitt:  4.6/5]

2 Gedanken zu „Ford GT vs. Porsche 911 GT2 RS

  • 26/06/2020 um 17:52
    Permalink

    Der Ford GT ist wirklich ein Raumschiff, kann man nicht anders sagen

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