Koenigsegg Regera vs. Bugatti Chiron

Wenn man nach Fahrzeugen guckt, die die magische Schallmauer von 400 km/h durchbrechen können, wird die Luft sehr dünn. Eigentlich fallen dann immer nur noch zwei Namen, diese aber mit schöner Regelmäßigkeit: Bugatti und Koenigsegg. Bugatti gründete damals den 400er-Club mit dem 2005 erschienenen Veyron. Der lief 407 km/h Spitze und wirkt gegen seine Nachfolger fast schon behäbig: Bühne frei für den Bugatti Chiron und den Koenigsegg Regera.

Der Koenigsegg Regera war der erste Plug-in-Hybrid der Sportwagenschmiede aus dem südschwedischen Ängelholm. Er schöpft den größten Teil seiner Leistung aus einem 5,0 Liter großen V8-Biturbo. Dazu kommen drei Elektromotoren, je einer pro Hinterrad und ein weiterer direkt auf der Kurbelwelle vor dem V8. Dementsprechend geht alle Kraft von insgesamt vier Motoren nur auf die Hinterachse, was Traktion kostet, aber einiges an Gewicht spart – der Regera kommt trotz der geballten Technik auf vergleichsweise schlanke 1.628 kg. Der Bugatti Chiron ist dagegen mit 1.995 kg sehr schwer für einen Sportwagen. Das hat in erster Linie mit dem Motor zu tun: 16 Zylinder, acht Liter Hubraum und vier Turbolader arbeiten im Chiron. Allen der aus zwei VR8-Blöcken zusammengesetzte Motor wiegt 530 kg, das Getriebe nochmal 110 kg. Darüberhinaus werden beim Chiron alle vier Räder angetrieben, was ebenfalls das Gewicht in die Höhe treibt. Zwei absolut extreme Autos also, jedes auf seine Art. Welches liefert die bessere Gesamtperformance ab?

1. Leistung und Drehmoment: Koenigsegg Regera

Der Bugatti entwickelt in seinen 16 Zylindern 1.103 kW / 1.500 PS und 1.600 Nm Drehmoment. Die Elektromotoren im Koenigsegg erzeugen insgesamt 525 kW / 714 PS und 870 Nm Drehmoment, dazu kommen 820 kW / 1.125 PS und 1.280 Nm aus dem Verbrenner. Die Systemleistung beträgt insgesamt 1.110 kW / 1.509 PS und unglaubliche 2.000 Nm Drehmoment. Damit holt der Schwede bei der Leistung knapp und beim Drehmoment eindeutig den Sieg.

Fotos vom Koenigsegg Regera:

2. Beschleunigung: Unentschieden

Der Chiron gewinnt den Start: Nur 2,4 Sekunden vergehen von 0 auf 100 km/h. Der Bugatti gehört damit dank der Kombination aus hoher Traktion dank Allradantrieb und der extremen Leistung zu den schnellsten Sprintern überhaupt. Der Koenigsegg Regera liegt mit 2,8 Sekunden nur minimal dahinter, muss dem Bugatti aber den Vortritt lassen. Auch bis 200 km/h hat der Chiron die Nase vorn: 6,1 Sekunden gegen 6,6 Sekunden. Danach kehrt sich das Bild um: 367 kg weniger Gewicht lassen den Regera in nur 10,6 Sekunden auf 300 km/h schießen, bereits zweieinhalb Sekunden schneller als der Chiron. Bis 400 km/h wird es noch deutlicher. Der Bugatti passiert nach 32,6 Sekunden die 400-Marke. Der Koenigsegg braucht gerade mal 19,9 Sekunden. Wer hätte gedacht, dass es ein Auto gibt, das einen Bugatti Chiron bei Vollgas langsam aussehen lassen könnte. Trotzdem gewinnen beide Autos je zwei Wertungen – unentschieden.

3. Höchstgeschwindigkeit: Bugatti Chiron

Beim Thema Höchstgeschwindigkeit wird es richtig eng. Der Vorgänger Bugatti Veyron war damals für zwei Ziele gebaut worden: 1.000 PS und 400 km/h. Der Chiron toppt diese Werte als Nachfolger nochmal deutlich: Bei 420 km/h wird er elektronisch eingebremst. Und das erst nachdem man einen zweiten Highspeed-Schlüssel eingesteckt und umgedreht hat, sonst ist bereits bei 380 km/h Schluss. Würde man dem Bugatti freien Lauf lassen, wären sogar 463 km/h drin. Da kommt der Koenigsegg nicht ganz mit. Er schafft 410 km/h. Damit ist er zwar drei km/h schneller als ein Veyron, für den Chiron reicht es aber nicht.

4. Nürburgring Nordschleife: Koenigsegg Regera

Die Nordschleife des Nürburgrings passt als 20,6 km langer Kurs mit verschiedensten Passagen perfekt als Teststrecke für Hochleistungssportwagen – selbst wenn es sich um Megacars wie die beiden heutigen Fahrzeuge handelt. Doch keiner der beiden Kontrahenten wurde bisher auf dem Nurbürgring gesichtet. Oder auf einer anderen Rennstrecke der Welt. Bleibt nur der 0-400-0-Test, der zumindest neben der Beschleunigung noch die Bremsleistung mit einfließen lässt. Der Chiron schafft es auf 400 km/h und zurück in den Stand in 41,96 Sekunden. Der Regera kann da nur müde lächeln – er stellte 2019 mit 31,49 Sekunden den Rekord in dieser Disziplin auf.

Fotos vom Bugatti Chiron:

5. Preis: Koenigsegg Regera

Beide Autos liegen nur ein Jahr auseinander – der Koenigsegg erschien 2015, der Chiron 2016 – daher lassen sie sich gut vergleichen. Der Regera lag damals bei einem Kaufpreis von rund 2.000.000 Euro. Neben all der Leistung bekam man dafür auch die Exklusivität eines Autos aus einer Kleinserie von nur 80 Fahrzeugen. Der Bugatti Chiron bewegt sich im Prinzip in ähnlichen Sphären: 2.650.000 Euro werden für den Quad-Turbo-Supersportler fällig, der nach wie vor gebaut wird. Ein Ölwechsel allein kostet beim Chiron bereits 18.000 Euro und dauert 27 Stunden. Punkt für den günstigen Regera!

SIEGER: 3,5 : 1,5 Koenigsegg Regera

Beim Test vom Bugatti Chiron gegen den Koenigsegg Regera sah es zunächst relativ ausgeglichen aus. Beim Thema Leistung und Drehmoment hatte der Koenigsegg leicht bis deutlich die Nase vorn, was der Bugatti mit seinem enormen Topspeed konterte. Bei der Beschleunigung könnte man zum Regera neigen, der den Chiron ab 200 aufwärts deklassiert. Doch im echten Leben und auf der Rennstrecke wird man den Bereich bis 200 km/h deutlich öfter durchbeschleunigen, daher ist das Unentschieden an dieser Stelle gerecht. Am Ende gewinnt der Koenigsegg, da er fast alles besser kann als der Chiron.

Fotos: Bugatti, Koenigsegg

[Gesamt: 7   Durchschnitt:  5/5]

5 Gedanken zu „Koenigsegg Regera vs. Bugatti Chiron

  • 25/05/2020 um 20:15
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    Der Regera in der Carbon Edition ist echt der Hammer

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    • 28/05/2020 um 10:20
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      Ich wollte grad dasselbe schreiben 😂

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  • 26/05/2020 um 10:57
    Permalink

    Eigentlich bin ich kein großer Bugatti-Fan. Die Autos sehen irgendwie bieder aus. Aber wenn ich schon 400 fahren müsste, würde ich mich im Chiron wohl sicherer fühlen.

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    • 28/05/2020 um 10:08
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      Aber auch nur weil der schwerer ist und Allrad hat. Die von Koenigsegg wissen schon, was sie tun.

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  • 31/05/2020 um 13:35
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    Regera sieht wie ein Hightech-Supersportler aus, Chiron irgendwie plump

    Antwort

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