Cizeta V16T vs. Lamborghini Diablo

Wir schreiben das Jahr 1990. Miami Vice geht in die letzten Folgen, ebenso wie die BRD und die DDR. Auch die Sowjetunion bröckelt bereits auf ihren Zusammenbruch hin. Umweltbewusstsein ist ein paar Idealisten vorbehalten, die den Grünen ab und zu über die Fünf-Prozent-Hürde helfen. Ein Liter Super kostet 1,18 D-Mark und befeuert brachiale Sportwagen wie den berühmten, damals brandneuen Lamborghini Diablo. Doch Italien hatte noch ganz andere Sportwagen zu bieten: Zum Beispiel den extrem seltenen Cizeta V16T.

Dessen Produktion begann ebenfalls 1990, nachdem der Italiener Claudio Zampolli, ehemals Ingenieur in der Entwicklungsabteilung von Lamborghini, bereits seit 1985 an einem eigenen Supersportwagenprojekt gearbeitet hatte. 1987 stieg der Komponist und Grammy-Gewinner Giorgio Moroder in das Projekt ein. Das Ziel war, einen unvergleichlichen Supersportwagen zu entwickeln, der alle Konkurrenten in Grund und Boden fahren würde. Dafür entwickelte Zampolli einen 16 Zylinder-Motor, der transversal in der Fahrzeugmitte eingebaut wurde. Als Designer holte man Marcello Gandini ins Boot, der bereits den Lamborghini Countach gezeichnet hatte und etwa zur gleichen Zeit auch am heutigen Gegner des Cizeta V16T arbeitete: Dem Lamborghini Diablo.

Die Planungen für das Projekt P132, wie der Diablo firmenintern hieß, begannen ebenfalls 1985. Ein würdiger Nachfolger für den Lamborghini Countach musste her, zudem hatten die Ingenieure noch eine weitere Vorgabe: Das schnellste Serienfahrzeug der Welt zu bauen. Dafür musste das neue Auto mindestens 320 km/h schnell sein, was unter anderem durch mehr Hubraum im Vergleich zum Countach erreicht werden sollte. Der V12 wurde von 5,2 Liter auf 5,7 Liter vergrößert, dazu bekamen alle Versionen des Motors eine Saugrohr-Einspritzung. Doch reichte das auch gegen die 6,0 Liter Hubraum und 16 Zylinder im Cizeta?

1. Leistung und Drehmoment: Cizeta V16T

Der Cizeta holt 399 kW / 540 PS und 542 Nm Drehmoment aus seinen 16 Zylindern. Der Lamborghini kontert mit 362 kW / 492 PS und 580 Nm. Wenn man beide Werte zusammenrechnet, liegen die Kontrahenten fast gleichauf. Aber nur Fast: Der Cizeta gewinnt hauchdünn.

Fotos vom Lamborghini Diablo:

Motorsound:

2. Beschleunigung: Cizeta V16T

Der Diablo sichert sich den Start: Nach 4,1 Sekunden liegen 100 km/h an, ein Wahnsinnswert für die damalige Zeit. Der V16T braucht mit 4,5 Sekunden minimal länger. Hier hilft dem Lambo sein niedriges Gewicht von 1.575 kg gegenüber den 1.700 kg des Cizeta mit dem schweren Motorblock. Doch ist dieser erstmal in Fahrt, kehrt sich das Bild um: Bis 200 km/h braucht der V16T 12,7 Sekunden, der Diablo 13,6 Sekunden, fast eine Sekunde mehr. Nach 44,3 Sekunden stehen beim Cizeta 300 km/h auf dem Tacho, der Lamborghini braucht mit 46,8 Sekunden über zwei Sekunden länger.

3. Höchstgeschwindigkeit: Cizeta V16T

Bei der Höchstgeschwindigkeit wird es noch enger: 325 km/h stehen beim Lamborghini bei freier Bahn auf dem Tacho. Damit hatten die Ingenieure ihre Vorgabe geschafft. Während der Entwicklung soll ein Prototyp auf der Strecke von Nardo sogar 337 km/h erreicht haben. Auch in unabhängigen Tests wurden die angegebenen 325 km/h mehrfach überboten. Der Cizeta ist offiziell exakt 3 km/h schneller, erst bei 328 km/h ist Schluss. Wer sich mit der damaligen Fahrwerkstechnologie traute, so schnell zu fahren, der dürfte allerdings aufgrund des höllischen Lärms relativ schnell wieder vom Gas gegangen sein.

4. Rennstrecke: Unentschieden

Hier wird es schwierig. Zur damaligen Zeit, ohne Youtube, Facebook und Instagram, kamen Hersteller noch ziemlich selten zum Nürburgring, um schnelle Rundenzeiten für ihre Marketing-Abteilungen zu produzieren. Der Lamborghini Diablo fuhr eine 8:04:00 Minuten in der 583 PS starken GT-Version und eine 8:09:00 Minuten in der 517 PS starken SV-Version, für den normalen Diablo ist gar keine Zeit bekannt. Genauso wie für den Cizeta – unentschieden.

Fotos vom Cizeta V16T:

Motorsound:

5. Preis: Lamborghini Diablo

Beim Neupreis holt der Lamborghini Diablo den verdienten Ehrenpunkt: Günstige 390.000 D-Mark wechselten den Besitzer, schon konnte man in seinem neuen Supersportwagen Platz nehmen. Wer sich den Stier als Wertanlage zulegte, wurde allerdings enttäuscht: Bis unter 30.000 Euro fielen die Preise in den letzten Jahren, und haben sich seitdem nur spärlich erholt. Erst ab dem Diablo GT, dem ersten Lamborghini, der unter der Regie von Audi entstand, werden deutlich höhere Preise aufgerufen.

Beim Cizeta blieb die Nachfrage weit hinter den Erwartungen zurück – was auch am deutschen Preis von 527.250 D-Mark gelegen haben dürfte. So wurden zwischen 1991 und dem Bankrott des Unternehmens 1995 inklusive des Prototyps lediglich acht Fahrzeuge gebaut. Zwei kaufte Hassanal Bolkiah, Sultan von Brunei. Geplant war ursprünglich ein Fahrzeug pro Woche fertigzustellen, entsprechende Nachfrage vorausgesetzt also 52 Autos pro Jahr. Nach dem Bankrott ging Gründer Zampolli in den 1990er Jahren in die USA, wo er exotische Autos wartet und auf Anfrage auch den Cizeta V16T baut. So entstanden drei weitere Cizeta V16T: Zwei Coupes, sowie der erste und nach wie vor einzige Cizeta V16T Spyder (gelb, 2003). Der heutige Listenpreis liegt (ohne Steuern und Lieferung) bei 649.000 US-Dollar sowie 849.000 US-Dollar für den V16T Spyder TTJ.

SIEGER: 3,5 : 1,5 Cizeta V16T

Der Cizeta V16T ist der klare Sieger im Vergleich mit dem Lamborghini Diablo, seinem geheimen Bruder. Die Leistungswerte sprechen für sich, er kann so ziemlich alles ein wenig besser als der Diablo in der ersten Version. Mit Betonung auf ein wenig: Selten lagen zwei Autos im Vergleich so eng beieinander. Gerade mit Blick auf den Gebrauchtmarkt sind der Diablo und seine diversen späteren Versionen das bessere Angebot. Zumal man einen gebrauchten Cizeta V16T vermutlich niemals zu Gesicht bekommen wird.

Fotos: Cizeta, Lamborghini

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Cord
Cord
2 Monate zuvor

Der Cizeta wäre mir ein bisschen zu kantig. Aber der Diablo ist zeitlos schön.

Horst
Horst
1 Monat zuvor

Der Lambo ist gleichzeitig brutal und elegant. Schaffen nicht viele Autos.

Werner B
Werner B
1 Monat zuvor
Reply to  Horst

Hab ich auch grad gedacht!

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