McLaren P1 vs. Ferrari LaFerrari

2013 begann in der Automobilwelt eine neue Zeitrechnung: Die Hypercars erblickten das Licht der Welt. Sportwagen mit Hybrid-Antrieb und an die 1.000 PS, die Fahrleistungen auf bisher nicht gekanntem Niveau zeigten. McLaren hatte mit dem P1 vorgelegt, und auch Ferrari war gewappnet: Im März 2013 zeigten die Italiener erstmals den Ferrari LaFerrari auf dem Genfer Autosalon der Weltöffentlichkeit. Kann er den McLaren P1 schlagen?

Der Ferrari LaFerrari holt den größten Teil seiner Leistung aus einem V12, wie es bei den Topmodellen aus Maranello damals üblich war. Der 6,3 Liter große Direkteinspritzer ist bereits aus dem F12 und dem damaligen Über-Ferrari FXX bekannt und zählt noch heute zu den leistungsstärksten Saugmotoren überhaupt. Dazu kommen die Elektromotoren, allerdings ohne die Option, rein elektrisch zu fahren – der LaFerrari zählt aufgrund des fehlenden Akkus nur zu den Mild-Hybrid-Fahrzeugen. Die Energie kommt aus dem Rekuperationssystem KERS, welches sich damals gerade in der Formel 1 etabliert hatte, und gibt lediglich Bremsenergie als Boost zurück. Der McLaren P1 dagegen ist ein vollwertiger Plug-in-Hybrid. Mit voll geladenem Akku fährt der P1 zwar nur 11 Kilometer weit, das jedoch komplett elektrisch. Den Hauptantrieb übernimmt ein modifizierter 3,8 Liter V8-Biturbo an der Hinterachse, sodass mit dem Elektromotor an der Vorderachse alle vier Räder angetrieben werden können. Diverse weitere Systeme direkt aus der Formel 1, wie ein sechsstufiges ESP, fanden ebenfalls Einzug. Dadurch ist der McLaren allerdings kein Leichtgewicht. Kann er den Ferrari in die Schranken weisen?

1. Leistung und Drehmoment: Ferrari LaFerrari

542 kW / 737 PS und 720 Nm mobilisiert der aufgeladene V8 im P1, dazu kommen 132 kW / 179 PS und 260 Nm aus dem Elektromotor. Die bereinigte Systemleistung beträgt 674 kW / 916 PS und 900 Nm Drehmoment. Der Ferrari hat zwar zwei Elektromotoren, aber nur einer ist mit dem Antriebsstrang verbunden. So kommt er auf eine Gesamtleistung von 708 kW / 963 PS und 970 Nm Drehmoment. Damit muss der P1 dem LaFerrari den Vortritt lassen. Und das, obwohl der McLaren mit zwei Turboladern aufgeladen wird – der Ferrari-V12 ist ein absolutes Meisterwerk.

Fotos vom Ferrari LaFerrari:

2. Beschleunigung: McLaren P1

Der McLaren P1 kommt dank Allradantrieb besser vom Start weg. 2,8 Sekunden vergehen bis Tempo 100, 6,8 Sekunden bis 200 und 16,5 Sekunden bis 300 km/h – zwei Zehntel schneller als ein Bugatti Veyron. Der Ferrari LaFerrari liegt mit 2,9 Sekunden bis 100 km/h nur knapp dahinter, muss dem McLaren aber den Start lassen. Auch bis 200 km/h hat der McLaren die Nase vorn, wenn auch nur noch hauchdünn: 6,9 Sekunden für den Ferrari. Danach kehrt sich das Bild um. 70 kg weniger Gewicht dank dem fehlenden Akku lassen den LaFerrari in nur 15,0 Sekunden auf 300 km/h schießen, 1,7 Sekunden schneller als der Veyron mit 1.000 PS aus acht Litern Hubraum mit vier Turboladern. Der McLaren P1 gewinnt damit zwei der drei Beschleunigungstests, jenseits der 200 fährt der Ferrari LaFerrari aber in einer eigenen Liga.

3. Höchstgeschwindigkeit: Ferrari LaFerrari

Bei der Höchstgeschwindigkeit zeigen sich die Kontrahenten ebenfalls sehr nah beieinander. 350 km/h zeigen die Instrumente im McLaren, wenn das Gaspedal die Bodenplatte berührt und die Elektronik den P1 elektronisch begrenzt. Der Ferrari wird mit über 350 km/h angegeben. Eigentlich ein Unentschieden, knapper geht es nicht.

4. Rennstrecke: McLaren P1

Leider ist für unseren Standardtest, die Nordschleife des Nürburgrings, für den Ferrari LaFerrari keine Zeit bekannt. Doch drei andere bekannte Rennstrecken weisen offizielle Zeiten für beide Hypercars auf: Der LaFerrari raste in 1:54:25 Minuten um den Algarve International Circuit in Portimao, in 0:58:58 Minuten um den National Circuit in Silverstone und in 2:48:00 Minuten um den Track in Spa Francorchamps. Der P1 war auf allen drei Rennstrecken schneller: In 1:51:78 Minuten ging er um den Kurs an der Algarve, in 0:58:24 Minuten um Silverstone und in 2:38:00 Minuten um Spa. Die Silverstone-Zeiten liegen denkbar knapp beieinander, in Spa hingegen deklassiert der McLaren den Ferrari.

Fotos vom McLaren P1:

5. Preis: Unentschieden

Da die Produktion beider Autos 2013 begann, sollten sie sich eigentlich perfekt vergleichen lassen. Für einen P1 musste man damals mindestens 1,1 Millionen Euro auf den Tisch legen. Für den Ferrari LaFerrari dagegen wurde leider nie ein offizieller Verkaufspreis bekannt – alle potentiellen Käufer wurden von Ferrari persönlich ausgewählt. Der Preis dürfte jedoch deutlich über 2 Millionen Euro gelegen haben. Nicht, dass diese beiden Faktoren der Nachfrage geschadet hätten: Alle 499 LaFerrari waren noch vor Produktionsbeginn ausverkauft.

SIEGER: 2,5 : 2,5 Unentschieden

Beim Test vom McLaren P1 gegen den Ferrari LaFerrari gab es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Beim Thema Leistung und Drehmoment hatte der Ferrari leicht die Nase vorn, was der McLaren mit seiner enormen Beschleunigung konterte. Beim Topspeed gewinnt der LaFerrari nur hauchdünn. Auf der Rennstrecke ist dagegen der P1 ganz klar das schnellere Auto. Unterm Strich begegneten sich beide Supersportler auf Augenhöhe – ein Duell mit zwei Siegern und zwei der faszinierendsten Autos, die je gebaut wurden. Und deren Zeitwert in Auktionen bereits jetzt regelmäßig ein vielfaches des damaligen Kaufpreises einspielt.

Fotos: Ferrari, McLaren

[Gesamt: 9   Durchschnitt:  4.9/5]

4 Gedanken zu „McLaren P1 vs. Ferrari LaFerrari

  • 12/05/2020 um 9:50
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    Hat auch keinen wirklichen Sieger verdient. Wer weiß, wer auf den Tracks am Steuer saß.

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  • 14/05/2020 um 16:14
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    Ferrari ist elegant, aber McLaren ist geiler. Form following Function, jede kleine Ecke hat ihren Sinn.

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  • 20/05/2020 um 9:46
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    Unentschieden ist fair. Beides tolle Autos!

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