Ferrari Enzo vs. Porsche Carrera GT

Der Vergleich des Porsche Carrera GT gegen den Ferrari Enzo ist auch der Vergleich von zwei der letzten analogen Supersportwagen. Hybrid-Technologie war noch nicht in Sicht, nichtmal Turbo-Aufladung wurde verbaut. Nur ehrliche, groß dimensionierte, hoch drehende Saugmotoren direkt aus dem Rennsport, verbaut in zwei der exklusivsten Mittelmotor-Sportwagen, die man Anfang der 2000er Jahre kaufen konnte.

Ferrari plante zunächst eigentlich, nur 349 Enzos zu bauen. Obwohl man erstmal von Ferrari für den Kauf ausgewählt werden musste, waren jedoch alle Fahrzeuge noch vor Produktionsbeginn ausverkauft, daher legte man noch 50 weitere auf. Basis für die Kundenauswahl war eine langjährige Beziehung zu Ferrari. Dafür gab es das damals schnellste springende Pferd, angetrieben von einem 6,0 Liter großen V12-Motor. Ganz so exklusiv ging es beim Porsche Carrera GT nicht zu – immerhin 1.270 Fahrzeuge wurden verkauft, und von Porsche eingeladen werden musste dazu niemand. Für sein Geld bekam man einen der am besten klingenden Motoren aller Zeiten. Der 5,7 Liter-V10 wird wie beim Ferrari Enzo nicht künstlich beatmet, ist ein reiner Sauger. Welcher Supersportler gewinnt den Test?

1. Leistung und Drehmoment: Ferrari Enzo

Der Ferrari Enzo holt 485 kW / 660 PS bei 7.800 U/min und 657 Nm Drehmoment bei 5.500 U/min aus seinem hochdrehenden V12. Der Carrera GT bewegt sich in ähnlichen Dimensionen: 450 kW / 612 PS bei 8.000 U/min und 590 Nm Drehmoment bei 5.750 U/min entwickelt der V10. An der Drehzahl erkennt man auch, dass es sich um echte Rennmotoren handelt, die einen bei voller Leistung infernalisch anschreien. Punkt für den Ferrari.

Fotos vom Ferrari Enzo:

2. Beschleunigung: Unentschieden

Der Carrera GT beschleunigt dank seines niedrigen Gewichts von 1.380 kg in gerade mal 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Die 200 km/h-Marke passiert er in 9,9 Sekunden und bleibt damit unter der magischen 10 Sekunden-Grenze – Anfang des Jahrtausends ein unglaublicher Wert. Bis 300 km/h tut sich der Carrera GT mit 34,2 Sekunden dann langsam etwas schwerer. Der Ferrari Enzo entwickelt seine Leistung anders: Bis 100 km/h vergehen ebenfalls 3,9 Sekunden, bis 200 km/h fährt er mit 10,6 Sekunden leicht hinterher, holt bis 300 km/h aber nicht nur auf sondern lässt den Porsche mit 26,1 Sekunden deutlich hinter sich. Unentschieden.

3. Höchstgeschwindigkeit: Ferrari Enzo

334 km/h stehen auf dem Tacho, wenn der Carrera GT freie Bahn hat. Das extrem schnell schaltende Getriebe des Enzo hat hier allerdings mehr Reserven, sodass der Vortrieb des Italieners erst bei über 355 km/h endet. Ein weiterer Punkt für den Ferrari.

4. Nürburgring Nordschleife: Ferrari Enzo

Auch der Nordschleife des Nürburgrings mussten die beiden Supersportler sich im Laufe der Zeit stellen. Walter Röhrl höchstpersönlich scheuchte am 2. Juni 2004 den brüllenden V10 des Carrera GT in 7:28:00 Minuten um die Nordschleife. Marc Basseng zeigte 2008, was im Ferrari Enzo an Potential steckt: Bei 7:25:21 Minuten blieb der Laptimer am Ende stehen. Auch dank seines nochmal niedrigeren Gewichts von 1.365 kg hat der Ferrari erneut die Nase vorn.

Fotos vom Carrera GT:

5. Preis: Porsche Carrera GT

Da ist er, der Ehrenpunkt: Günstige 452.690 Euro musste man ab 2003 für den Porsche Carrera GT hinlegen. Und bekam dafür sogar noch die Keramikbremse und ein fünfteiliges, exakt passendes Kofferset als Serienausstattung. Das Becker Online Pro-Navigationssystem und eine Klimaanlage gab es zudem ohne Aufpreis. Für den Enzo hingegen rief Ferrari ab 2002 einen Basispreis von nicht weniger als 662.000 Euro auf. Was selbstverständlich keinesfalls dazu führte, dass Ferrari nicht alle Enzos losgeworden wäre.

SIEGER: 3,5 : 1,5 Ferrari Enzo

Eindeutiger geht es nur schwerlich: Der Ferrari Enzo fährt einen ungefährdeten Sieg nach Hause. Der Porsche Carrera GT ist nie weit entfernt, doch am Ende lassen ein bisschen mehr Motorleistung kombiniert mit ein bisschen weniger Gewicht den Ferrari Enzo so ziemlich alles besser machen. Selbst auf der Rennstrecke liegen sie mit nur knapp drei Sekunden Unterschied denkbar nah beieinander. Für Rekordjäger war damals der Ferrari das bessere Auto. Im Porsche bekam man neben der Leistung den besseren Sound und konnte bei schönen Wetter zudem das Dach abnehmen.

Fotos: Ferrari, Porsche

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Rainer
Rainer
4 Monate zuvor

Weiß noch wie der Enzo damals rauskam und man dachte “wie kann ein Getriebe so schnell schalten”

Malte L
Malte L
3 Monate zuvor

Carrera GT wegen Sound. Bester V10 aller Zeiten

Leon
Leon
3 Monate zuvor

Auch Carrera GT. Verdeck ab und bester Sound ever

Jonsi
Jonsi
3 Monate zuvor

Punkte hin oder her – Carrera GT ist das geilere Auto. Außerdem mit Targa supergeil

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