Lamborghini Aventador SVJ vs. Porsche 911 GT2 RS

Wenn ein Auto aus Sant’Agata Bolognese ein J am Ende seines Namens trägt, weiß man, dass es sich um ein sehr exklusives Fahrzeug handelt. Das „Jota“ kennzeichnet tradiditionell Sonderserien der Topmodelle. Dementsprechend darf man vom heutigen Test des Lamborghini Aventador SVJ einiges erwarten. Selbst wenn der Gegner Porsche 911 GT2 RS aus der Baureihe 991 heißt und trotz seines Alters immer noch der stärkste und schnellste Straßen-911er aller Zeiten ist.

Klingt jetzt, als hätte man es mit einem Oldtimer zu tun – das ist natürlich nicht der Fall. Doch der aktuelle GT2 RS startete 2017, auch die Baureihe 991 ist mittlerweile ausgelaufen. Und nachdem bereits die Turbo S-Version vom 992 präsentiert wurde, warten alle gespannt auf den GT2 RS 992. Aber bis dahin bleibt der 1.470 kg schwere Porsche 911 GT2 RS 991 mit seinem 3,8 Liter 6-Zylinder-Boxer mit zwei VTG-Turboladern erstmal das Maß aller Dinge in Zuffenhausen. Ganz anders der SVJ: Auch er ist zwar die Speerspitze von Lamborghinis Fahrzeugflotte, doch ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Es ist nicht einmal klar, ob es einen geben wird. Zu schwierig gestaltet es sich heutzutage, einen 6,5 Liter 12-Zylinder-Sauger mit einem angegebenen Durchschnittsverbrauch von 19,6 l/100km noch dem Gesetzgeber zu verkaufen. Welcher Supersportler setzt sich durch?

1. Leistung und Drehmoment: Lamborghini Aventador SVJ

Der Porsche entwickelt 515 kW / 700 PS und 750 Nm Drehmoment mit seinem Biturbo-Boxer. Der Lamborghini hält mit Hubraum dagegen: 566 kW / 770 PS und 720 Nm Drehmoment bedeuten in Summe einen knappen Sieg für den Aventador.

Fotos vom Lamborghini Aventador SVJ:

2. Beschleunigung: Porsche 911 GT2 RS

Der GT2 RS geht dank Heckmotor und Heckgetriebe und somit jeder Menge Traktion auf der angetriebenen Hinterachse in grade mal 2,8 Sekunden auf 100 km/h. Genau die selbe Zeit schafft der SVJ dank seines Allradantriebs auch. Danach zieht der GT2 RS langsam, aber sicher davon. Bis 200 km/h nimmt er dem Lamborghini Aventador SVJ mit 8,3 Sekunden bereits 0,3 Sekunden ab. Bis 300 km/h wird es noch etwas deutlicher: 24,0 Sekunden für den Aventador SVJ, 23,1 Sekunden für den GT2 RS. Hier macht sich das 55 kg höhere Gewicht des Lambos von insgesamt 1.525 kg bemerkbar.

3. Höchstgeschwindigkeit: Lamborghini Aventador SVJ

Höchstgeschwindigkeit, das ist traditionell Lamborghini-Territorium. 351 km/h galoppiert der Stier bei freier Bahn. Für den Zuffenhausener ist bei 340 km/h Schluss.

4. Nürburgring Nordschleife: Lamborghini Aventador SVJ

Jetzt kommen wir zum eigentlichen Punkt. Es hat einen guten Grund, warum der Aventador SVJ nicht schneller auf 300 km/h beschleunigt und warum beide Fahrzeuge abgeregelt werden: Beide Autos sind auf Rennbedingungen abgestimmt, genauer gesagt auf die prestigeträchtige Nordschleife des Nürburgrings, um deren Vorherrschaft sich Lamborghini und Porsche seit Jahren streiten. Die Beschleunigung wird von der Aerodynamik eingebremst, die auf maximalen Abtrieb und somit hohe Kurvengeschwindigkeiten optimiert ist. Daher fuhr der GT2 RS seine Rekordrunde auf dem Ring auch mit komplett steil eingestelltem Heckflügel – der Verlust an Beschleunigung wird durch den Anpressdruck in dadurch schnelleren Kurven mehr als ausgeglichen. Der Topspeed ist aufgrund der weichen Gummimischung der Reifen limitiert, die dadurch zum Einen deutlich mehr Traktion beim Beschleunigen und zum Anderen wiederum höhere Geschwindigkeiten in den Kurven ermöglichen. Aus diesem Grund schaffen die Supersportler den Sprint auf 100 km/h in absurd schnellen 2,8 Sekunden, verlieren aber bis 300 km/h mehr Zeit, als die Motorleistungen eigentlich vermuten lassen würden. Das Konzept funktioniert: Der Aventador SVJ ist der aktuelle Rekordhalter auf der Nordschleife des Nürburgrings mit 6:44:97 Minuten. Er löste damit den alten Rekordhalter ab, den GT2 RS mit 6:47:30 Minuten.

Fotos vom Porsche 911 GT2 RS 991:

5. Preis: Porsche 911 GT2 RS

Soviel Performance hat seinen Preis: Der Schlüssel für den Porsche 911 GT2 RS 991 ging nicht unter 285.220 Euro über die Ladentheke. Der Lamborghini Aventador SVJ ist hier allerdings in ganz anderen Sphären unterwegs: 419.602 Euro rief man bei Lamborghini als Basispreis auf. Was mit ein Grund dafür sein dürfte, warum man ab und zu einen 911er sieht, aber so gut wie nie einen Lambo.

SIEGER: 3 : 2 Lamborghini Aventador SVJ

Der Lamborghini Aventador SVJ ist der knappe Punktsieger. Selbst auf der Nordschleife, wo man sich bei Porsche eigentlich wie zuhause fühlt, zeigt er dem 911 GT2 RS nur seinen breiten Hintern. Die Autos liegen jedoch bei den Zeiten genauso eng zusammen, wie bei der Beschleunigung oder den Leistungsdaten, so dass es ein denkbar knapper Sieg ist. Am deutlichsten unterscheiden sie sich noch beim Preis – falls der in diesen Regionen überhaupt eine Rolle spielt. Wer das Geld übrig hat und kompromisslose Performance sucht, bekommt bei beiden Autos mit das beste, was man für Geld kaufen kann.

Fotos: Porsche, Lamborghini

[Gesamt: 12   Durchschnitt:  4.9/5]

6 Gedanken zu „Lamborghini Aventador SVJ vs. Porsche 911 GT2 RS

  • 30/04/2020 um 11:09
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    Ich bin traditionell Porsche-Fan, aber Rundenzeiten lügen nunmal nicht. Respekt an Lamborghini!

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  • 03/05/2020 um 10:26
    Permalink

    Bei dem unverschämten Preis würde ich den Lambo schon aus Prinzip nicht kaufen

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  • 04/05/2020 um 14:55
    Permalink

    Technik Porsche, allein schon wegen Biturbo. Optik Lamborghini.

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  • 20/05/2020 um 9:53
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    Sind beides unglaublich gute Autos. Kann mir nicht vorstellen dass da einer aussteigt und sagt „der andere ist 1000x besser“

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