Porsche 918 Spyder vs. McLaren P1

Man schreibt das Jahr 2013. Die Suche nach alternativen Antriebskonzepten nimmt langsam Fahrt auf. Der BMW i3 rollt rein elektrisch durch die Großstädte, mit dem Toyota Mirai steht das erste Wasserstoff-Brennstoffzellen-Auto in den Startlöchern. Auch die Sportwagenhersteller stehen unter Zugzwang. Etwas Visionäres muss her, am besten mit Fahrleistungen, die so beeindruckend sind, dass die Fahrzeuge auch Hardcore-Petrolheads überzeugen. Bühne frei für den Porsche 918 Spyder und den McLaren P1.

Der McLaren P1 schöpft den größten Teil seiner Leistung aus einem 3,8 Liter großen V8-Biturbo, wie bei McLaren üblich. Der Elektromotor treibt wie der V8 nur die Hinterachse an, was Traktion kostet, aber einiges an Gewicht spart – der P1 kommt auf schlanke 1.500 kg. Der Porsche 918 Spyder bringt mit 1.674 kg (ohne Weissach-Paket) einiges mehr auf die Waage. Ein 4,6 Liter großer V8-Saugmotor direkt aus dem Rennsport und zwei Elektromotoren, einer pro Achse, treiben das Gewicht in die Höhe. Auch der Akku ist beim 918 leicht größer: Während der P1 rein elektrisch 11 km schafft, sind es beim 918 immerhin 25 km. Trägt der leichtere P1 oder der allradangetriebene 918 den Sieg davon?

1. Leistung und Drehmoment: Porsche 918 Spyder

Der Porsche entwickelt mit allen drei Motoren zusammen 652 kW / 887 PS und 1.280 Nm Drehmoment. Der turbo-aufgeladene McLaren bringt es auf 674 kW / 916 PS und 900 Nm Drehmoment. Damit liegt der Engländer zwar bei der Leistung leicht vorn, hat aber über 25% weniger Drehmoment. Die erste Runde geht damit an den 918 Spyder.

Fotos vom McLaren P1:

2. Beschleunigung: McLaren P1

Der 918 Spyder gewinnt den Start: Nur 2,6 Sekunden vergehen von 0 auf 100 km/h. Der Porsche gehört damit dank der Kombination aus hoher Traktion dank Allradantrieb und zusätzlichem, initial verfügbarem Drehmoment dank der beiden Elektromotoren noch heute zu den schnellsten Sprintern überhaupt. Der McLaren P1 liegt mit 2,8 Sekunden nur minimal dahinter, muss dem Porsche aber den Vortritt lassen. Danach kehrt sich das Bild langsam aber sicher um. 174 kg weniger Gewicht lassen den P1 in nur 6,8 Sekunden auf 200 km/h stürmen, bereits eine halbe Sekunde schneller als der 918 Spyder. Bis 300 km/h wird es dann deutlich. Der Porsche passiert nach 20,9 Sekunden die 300-Marke. Der McLaren braucht gerade mal 16,5 Sekunden, 0,2 Sekunden schneller als ein Bugatti Veyron mit 1.000 PS. Wer hätte gedacht, dass ein Porsche 918 Spyder bei Vollgas langsam aussehen könnte. Punkt für den P1.

3. Höchstgeschwindigkeit: McLaren P1

Beim Thema Höchstgeschwindigkeit wird es richtig eng. 345 km/h zeigen die Rundinstrumente im Porsche, wenn den drei Motoren die Kraft ausgeht. Der McLaren schafft 350 km/h und ist damit nicht am Ende, sondern im Begrenzer. Knapper Sieg für den P1.

4. Nürburgring Nordschleife: Porsche 918 Spyder

Die Nordschleife des Nürburgrings passt als 20,6 km langer Kurs mit verschiedensten Anforderungen perfekt als Testtrack für Hochleistungssportwagen – selbst wenn es sich um Hypercars wie die beiden heutigen Kontrahenten handelt. Beim McLaren P1 ist das Bild zwiespältig. Eine offizielle Zeit gibt es nicht. Von McLaren kam lediglich die Aussage, dass der Hypersportler in unter sieben Minuten um die Nordschleife ging. Daher führen wir ihn in unserer Nürburgring-Bestenliste unter 6:59:99 Minuten. Der 918 Spyder war 2015 ebenfalls in unter sieben Minuten einmal um den Ring, und zwar in hochoffiziellen 6:57:00 Minuten. 2013 bedeutete das einen neuen Rekord für straßenzugelassene Fahrzeuge. Diesen Rekord hätte man wohl auch gern im McLaren-Hauptquartier in Woking gesehen.

Fotos vom Porsche 918 Spyder:

5. Preis: Porsche 918 Spyder

Da beide Autos genau den selben Produktionszeitraum (2013-15) hatten, lassen sie sich perfekt vergleichen. Der Porsche 918 Spyder ist bis heute nicht nur der leistungsstärkste, sondern auch der teuerste Serienporsche: 786.026 Euro rief Porsche auf. Allein das Weissach-Paket, welches nochmal 35 kg Gewicht spart, kostete mit über 71.000 Euro soviel wie ein neuer Audi A6 mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Darüber konnten sie in England nur lachen: Der McLaren P1 wechselte erst für 1,1 Millionen Euro den Besitzer. Nicht, dass das der Nachfrage geschadet hätte: Alle 375 P1 waren verkauft, bevor überhaupt die Serien-Produktion begonnen hatte.

SIEGER: 3 : 2 Porsche 918 Spyder

Beim Test vom Porsche 918 Spyder gegen den McLaren P1 sah es lange nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus. Beim Thema Leistung und Drehmoment hatte der Porsche leicht die Nase vorn, was der McLaren einmal mehr mit seinem niedrigen Gewicht konterte und Beschleunigung und Topspeed für sich entschied. Der 918 Spyder konterte, wie so oft bei Autos aus Zuffenhausen, auf der Rennstrecke. Und auch hier fiel der Sieg mit knapp drei Sekunden denkbar knapp aus. Am Ende gewinnt der Porsche hauchdünn aufgrund seines niedrigeren Preises. Leistung und Performance bewegen sich praktisch auf dem selben Level – eigentlich ein Duell mit zwei Siegern.

Fotos: Porsche, McLaren

[Gesamt: 13   Durchschnitt:  4.8/5]

5 Gedanken zu „Porsche 918 Spyder vs. McLaren P1

  • 28/04/2020 um 11:37
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    Beides Traumautos, damals wie heute. Die Entscheidung fällt da wohl nurnoch auf Basis persönlicher Symphatie.

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  • 29/04/2020 um 9:23
    Permalink

    Der Porsche wirkt irgendwie technisch ausgereifter. Aber das ist vielleicht einfach nur funktionierendes Marketing. Am Ende hat der McLaren mehr Leistung mit einem Motor weniger und bessere Fahrleistungen – Zahlen lügen nicht.

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  • 30/04/2020 um 11:13
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    Hmpf, wie beim Duell GT2 RS gegen SVJ – Herz sagt Porsche, aber der McLaren ist einfach das schnellere Auto 🙁

    Antwort

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