Toyota Hilux: Vom Supermarkt bis zum Südpol

Die Antarktis ist eine lebensfeindliche Umgebung. Auch Autos kämpfen mit den extremen Temperaturen und die wenigsten Hersteller würden wohl einen Einsatz ihrer Fahrzeuge empfehlen. Anders Toyota mit dem Hilux. Der Pick-up gehört seit 1968 zu den Geländewagen, die man auf allen sieben Kontinenten sieht. Isländische Vulkane bekamen ebenso schon Besuch vom Hilux wie der Nordpol. Was immer noch fehlte, war der Südpol. Doch vor zehn Jahren nahm man die Herausforderung an und begann, einen besonders präparierten Hilux vorzubereiten.

Rund 19 Millionen in über 160 Ländern verkaufte Toyota Hilux machen klar, dass der in mittlerweile acht Generationen gebaute Pick-up ziemlich belastbar ist. 2010 stellte er die Transportfahrzeuge des Indian National Centre for Antarctic and Ocean Research (NCAOR) für eine 4.600 Kilometer lange Forschungsexpedition von der antarktischen Novo Air Base zum Südpol und wieder zurück. Insgesamt vier Toyota Hilux wurden für diese Mission bei Toyota South African Motors (TSAM) produziert, dem Fertigungsstandort des Pick-up-Modells auch für den europäischen Markt. Danach begann der Umbau.

Fotos vom Toyota Hilux 2.8 D-4D:

Arctic Trucks, der isländische Toyota-4×4-Spezialist für Umbauten, präparierte den Hilux für die Antarktis. Vor allem der Wahl der richtigen Reifen und Felgen kam in Anbetracht von Gletschern und Schneefeldern entscheidende Bedeutung zu. Extreme Größen und maximaler Grip sind ohne Ketten essentiell. Entsprechend bekam der Hilux Reifen im Monster Truck-Format mit einem Luftdruck von lediglich 2 Bar, um maximalen Grip aufbauen zu können. Radaufhängung und Antriebsstrang wurden modifiziert, das Getriebe bekam eine neue Untersetzung. Allein der 3,0-Liter D-4D Dieselmotor blieb im Originalzustand und durfte so ein Showcase für die Zuverlässigkeit von Toyota-Motoren bei bis zu minus 56 Grad Celsius abliefern. 98 Prozent des Festlandes der Antarktis sind mit Eis bedeckt, zudem gab es 3.400 Höhenmeter zu bewältigen.

Allerdings war für die Forscher des NCAOR nicht das Erreichen des Pols das wichtigste Ziel, sondern Forschung zur Zusammensetzung des Schnees, zu den Gletscherlandschaften und zum Gestein unterhalb der Eisschicht. Entsprechend schwer war die vom Pick-up zu transportierende Expeditionsausrüstung mit Messinstrumenten, Werkzeugen und Ersatzteilen. 1,5 Tonnen Nutzlast und drei Tonnen Anhängelast musste jeder Toyota Hilux auf der fast einmonatigen Tour ziehen. Darin enthalten waren auch 1.280 Liter Kraftstoff je Fahrzeug.

Trotz permanent eingeschaltetem zusätzlichen Heizungssystem und Betrieb des Hilux rund um die Uhr lag der Kraftstoffverbrauch achtmal niedriger als bei üblichen Kettenfahrzeugen. Entsprechend lagen die Emissionen der Expeditionsfahrzeuge auch auf niedrigem Niveau. Trotz der niedrigen Verbrauchswerte wurde die 4.600-Kilometer-Tour zum Südpol von den Toyota Hilux in Rekordzeit absolviert. Die ganze Expedition dauerte nur vom 10. November bis zum 5. Dezember 2010 und das, weil die Extremtour mit deutlich höherer Durchschnittsgeschwindigkeit gefahren wurde als jede vergleichbare frühere Expedition. Dermaßen beflügelt fand schon zwei Jahre später die nächste Expedition statt. Zehn Hilux, ein Land Cruiser und ein Toyota Tacoma absolvierten in nur einer Forschungssaison 70.000 Kilometer in der Antarktis. Bei der längsten Expedition fuhren drei Hilux jeweils 9.500 Kilometer.

Fotos: Toyota

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Hubert H
Hubert H
4 Monate zuvor

Ich mag die Hilux. Sieht man in jeder zweiten Tagesschau, von Rebellen in Afrika bis Schneesturm in Sibirien, alle fahren sie Toyota 😀

Heiko Westermann
Heiko Westermann
4 Monate zuvor

Ist nebenbei bemerkt auch ein perfektes Familienauto – man bekommt alle Spielsachen auf der Ladefläche mit 😊

Wolfgang H
Wolfgang H
4 Monate zuvor

Wenn die Kiste das aushält mit dem Serienmotor, dann fährt der hierzulande ohne Probleme mindestens 500.000 km

Max
Max
4 Monate zuvor

Hätte ich Geld und Platz für nen Zweitwagen wär der ziemlich weit oben 😀

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