Mazda RX-7: Die Legende der Wankel-Motoren

Ende der 70er Jahre machte sich Mazda auf, einen bezahlbaren Sportwagen mit einem ganz anderen technischen Ansatz auf die Straße zu bringen. Im Frühjahr 1979 traf er in Deutschland ein: Der Mazda RX-7. Ein keilförmiger Sportwagen mit spektakulär großer gläserner Heckklappe, der jedoch überall auf der Welt vor allem für eines bekannt ist: Seinen Wankel-Motor, auch Kreiskolben-Motor genannt. Weltweit wurden von dem 2+2-Sitzer bis 1985 fast eine halbe Million Einheiten verkauft. Damit ist der Mazda RX-7 bis heute das meistproduzierte Automobil mit Wankel-Motor.

In Deutschland genügten dem RX-7 rund 6.000 Einheiten für die Pole Position unter allen Sportcoupés mit Kreiskolben-Motor. Auch auf der Rennstrecke hinterließ der RX-7 einen bleibenden Eindruck: Mit mehr als 100 Siegen, fünf gewonnenen Meisterschaften und der Vorbereitung des Mazda Siegs in Le Mans zeigte Mazda die Konkurrenz-Fähigkeit seines Motorenkonzepts. Tatsächlich war der in Japan als Mazda Savanna vorgestellte RX-7 mehr als nur ein Sportwagen mit auffälligen Klappscheinwerfern. Eine stand stellvertretend für eine neue Generation von Fahrzeugen mit Wankel-Motoren. Während die Produktion von Serien-Pkw, die auf das vom deutschen Erfinder Felix Wankel entwickelte Motorenprinzip vertrauten, in Deutschland und anderen europäischen Ländern bereits 1977 beendet worden war, hielt Mazda weiterhin daran fest. Allerdings hatte die erste globale Energiekrise auch Mazda erfasst. Denn trotz der Vorteile eines geringen Gewichts, kompakter Bauweise und vergleichsweise hoher Leistungsausbeute bei turbinenartiger Laufkultur verzeichneten die Kreiskolben-Motoren im Vergleich zu konventionellen Motoren einen höheren Benzinverbrauch. Die hohen Stückzahlen von damals schon mehr als 900.000 verkauften Mazda Modellen mit Zwei-Scheiben-Kreiskolben-Motoren bot jedoch genug Argumente für die Weiterentwicklung zu höherer Effizienz.

Fotos vom Mazda RX-7 Bathurst R / Type R Spec / Spirit R:

Entwicklungschef Kenichi Yamamoto setzte sich 40 Prozent weniger Verbrauch in Großserie als Ziel. Zuerst wurde der Motor entwickelt und danach das passende Fahrzeug. Der neue Motor vom Typ 12A mit einem Kammervolumen von 2 x 573 cm³ entwickelte eine Leistung von 77 kW / 105 PS bei deutlich niedrigerem Verbrauch. Dafür wurden die Brennraumvertiefungen im Rotor statt in der bisher üblichen Trapezform in einer tropfenähnlichen Form gebaut und das Abgassystem um eine neuartige Nachverbrennung erweitert. Verbaut wurde der flach bauende Kreiskolben-Motor in einem Sportcoupe mit Klappscheinwerfern, denn hier konnte das Triebwerk seine Vorteile optimal ausspielen. Dank konsequenten Leichtbaus brachte der Mazda RX-7 nur knapp über 1.000 Kilogramm Leergewicht auf die Waage und dazu Fahrleistungen, die sich mit nominell deutlich leistungsstärkeren Sportwagen messen konnten.

Urahn Mazda Cosmo Sport 110 S

Auch der Fahrspaß kam im Mazda RX-7 nicht zu kurz, denn der kompakte Kreiskolben-Motor konnte hinter der Vorderachse platziert. Dadurch ergab sich eine Gewichtsverteilung von 52 zu 48 Prozent. Wie ganz am Anfang im Mazda Cosmo Sport 110 S von 1967, dem ersten japanischen Supersportwagen und weltweit ersten Serienfahrzeug mit Zwei-Scheiben-Kreiskolben-Motor, sorgte das Hochdrehzahltriebwerk ohne Hubkolben und Zylinder nun im Sportwagen Mazda RX-7 für Aufsehen. Schon vor dem Europastart des RX-7 feierte Mazda 1978 mit einem roten Sportcoupé die Auslieferung des einmillionsten Fahrzeugs aus Hiroshima, das von einem Kreiskolben-Motor angetrieben wird. Mazda verteilte die Antriebskonzepte frei nach Fahrzeugkonzept: Hubkolben-Benziner und -Diesel für konventionelle Modelle und Kreiskolben-Motoren für Sportwagen. Denn die Kreiskolben-Motoren eignen sich auch für den Einsatz nachhaltiger Kraftstoffarten wie Wasserstoff. Das demonstrierte erstmals 1991 das Concept Car Mazda HR-X und ab 2006 in Leasingprogrammen auch der Mazda RX-8 Hydrogen RE. Aktuell ist zwar kein Auto mit Wankel-Motor bei Mazda im Angebot. Es gibt wohl aber Pläne, den voll-elektrischen MX-30 mit einem kompakten Kreiskolben-Motor als Reichweitenverlängerer auszustatten.

Denkt man an japanische Wankel-Motor-Sportwagen, denkt man jedoch sofort an den Mazda RX-7. Sogar einige Weltrekordfahrten wurden unternommen. So erzielte im Jahr 1978 ein speziell präparierter 296 km/h schneller RX-7 einen Klassenbestwert auf dem Salzsee von Bonneville (USA). Mazda war so überzeugt vom RX-7, dass man in den USA serienmäßig 80.000-Kilometer-Garantie gab. In Europa machte der bis zu 8.000 Umdrehungen entwickelnde Mazda RX-7 im Jahr 1981 von sich reden, als er bei den 24 Stunden von Spa einen Gesamtsieg gegen das versammelte Hubkolben-Establishment herausfuhr. In Deutschland wurde der Mazda RX-7 bis 1996 in insgesamt drei Generationen angeboten, in Japan lief der in letzter Ausbaustufe 206 kW / 280 PS starke und 250 km/h schnelle Klappscheinwerfer-Sportler noch bis 2003 vom Band.

Wer in Deutschland mehr erfahren und Modelle live sehen möchte, sollte das Mazda Classic – Automobil Museum Frey in Augsburg besuchen. Vom frühen Mazda RX-7 aus dem Jahr 1979 über Raritäten wie den RX-7 Elford Turbo von 1983, eine Rallye-Version aus der berüchtigten Gruppe B von 1984, das in Deutschland in Kleinserie produzierte RX-7 Küwe Cabriolet bis hin zum persönlichen Fahrzeug von Felix Wankel, einem RX-7 Turbo. Aber auch die von 1985 bis 1992 gebaute zweite Generation des Mazda RX-7 ist vertreten inklusive des Mazda RX-7 Turbo Cabriolets. Die letzte Generation des RX-7, gebaut von 1991 bis 2003, wird durch einen roten Zweisitzer repräsentiert. Schließlich hatte Mazda damals gerade als erster japanischer Hersteller die 24 Stunden von Le Mans gewonnen – natürlich mit einem Wankel-Motor.

Fotos: Mazda

[Gesamt: 13   Durchschnitt:  4.8/5]

10 Gedanken zu „Mazda RX-7: Die Legende der Wankel-Motoren

  • 06/04/2020 um 14:10
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    Hab immer von nem RX7 geträumt, mittlerweile leider kaum noch bezahlbar 🙁

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    • 06/04/2020 um 14:10
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      Wenn man überhaupt noch welche findet 😉

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  • 07/04/2020 um 9:56
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    Cooles Konzept. Schade dass grad bei viel Leistung der Verbrauch so hoch ist.

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    • 07/04/2020 um 9:57
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      Ist er bei nem normalen Benziner bei viel Leistung auch

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  • 08/04/2020 um 7:36
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    So schon ein echt schönes Auto. Da gibts allerdings auch Bodykits für, da fliegste weg!

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  • 08/04/2020 um 19:27
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    Gibt es eigentlich Pläne, dass sowas mal wieder kommt? Also nicht als Hilfsmotor, sondern volles Rohr?

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    • 09/04/2020 um 9:44
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      Kann ich mir nicht vorstellen. Die Wankels sind faszinierend, gar keine Frage. Aber für Effizienz sind sie leider nicht bekannt. In der heutigen Autowelt bekommt man sowas als Hersteller kaum noch auf die Straße, selbst wenn man Käufer finden würde.

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  • 14/04/2020 um 7:54
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    Ein Wahnsinnssound, den die Dinger machen. Wenn man sich das Funktionsprinzip ansieht wundert man sich warum sich das nicht durchgesetzt hat…

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  • 18/04/2020 um 13:26
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    Echt schade, dass die so teuer geworden sind. Könnte man höchstens noch versuchen direkt aus Japan zu importieren

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  • 29/04/2020 um 9:36
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    So ein Gewankel. Find ich gut. Baut überhaupt noch irgendwer sowas, oder gibts zumindest Pläne??

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