10 Jahre Mercedes-AMG-Kundensport: Neuer GT3, weiterentwickelter GT4

2020 steht für Mercedes-AMG Motorsport ganz im Zeichen des zehnjährigen Kundensport-Jubiläums. Seit 2010 sind die Rennfahrzeuge auf den Strecken der Welt unterwegs. Mehr als 390 Rennfahrzeuge wurden in den vergangenen zehn Jahren an Kundenteams aus aller Welt übergeben, die damit in über 120 Serien 418 Gesamtsiege, 788 Klassensiege und 171 nationale und internationale Titel feiern konnten. Auch zur Jubiläumssaison 2020 geht Mercedes-AMG mit einem neuen AMG GT3 und dem weiterentwickelten AMG GT4 an den Start.

Fotos vom Mercedes-AMG GT S / C / R / GT4:

Das Engagement von Mercedes-AMG im Kundensport reicht bis zu den Anfängen des Unternehmens zurück: Schon in den 1960er Jahren bauten die AMG Gründer Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher im Auftrag von privaten Teams deren Mercedes-Benz Modelle zu erfolgreichen Rennfahrzeugen um. Als 1971 der rot lackierte AMG 300 SEL 6.8 – der erste Rennwagen, der offiziell das AMG Logo trug – beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps souverän den Klassensieg holte und im Gesamtklassement den zweiten Rang erzielte, war der Motorsport-Mythos von AMG geboren. Das heutige Customer Racing Programm von Mercedes-AMG spannt den Bogen zu diesen historischen Wurzeln.

Der Flügeltürer für die Rennstrecke

Den Anstoß für die Gründung des Kundensportprogramms im Jahr 2010 gab der Mercedes-Benz SLS AMG. Die Hommage an den legendären 300 SL Flügeltürer war das erste Fahrzeug, das von Mercedes-AMG komplett in Eigenregie entwickelt wurde. Bei einer Presse-Fahrvorstellung, die 2009 in Laguna Seca stattfand, entstand bei Baureihenleiter Christoph Jung und den beiden ehemaligen DTM-Piloten Bernd Schneider und Thomas Jäger die gemeinsame Idee, den SLS auf die Rennstrecke zu bringen. Der naheliegende Ansatz von ausgewählten Werkseinsätzen war dem Trio jedoch nicht nachhaltig genug, so dass sie ein für Mercedes-AMG völlig neues Kundensport-Konzept erarbeiteten. In enger Zusammenarbeit mit der HWA AG wurde innerhalb eines halben Jahres eine GT3-Version des neuen Flügeltürers entwickelt. Seinen ersten Renneinsatz bestritt der Mercedes-Benz SLS AMG GT3 am 25. September 2010 im Rahmen der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring – am Volant Bernd Schneider und Thomas Jäger als Mercedes-AMG Test- und Entwicklungsfahrer. Jäger und Christopher Haase donnerten bereits beim zweiten Rennen über die Nordschleife zum historischen ersten Sieg.

Das Programm zum Fahrzeug

Parallel zur Fahrzeugentwicklung arbeitete Mercedes-AMG am Kundensportprogramms. Während sich andere Hersteller eher auf Werkseinsätze konzentrierten, rückte Mercedes-AMG bewusst die privaten Teams und deren Fahrer in den Fokus. Neben einem voll ausgereiften Rennwagen sollten sie auf einen möglichst umfassenden Support zugreifen können – mit einem Know-how-Transfer von der ersten Inbetriebnahme des Fahrzeugs bis hin zur gemeinsamen Erarbeitung von Rennstrategien. Das definierte Ziel war es, die Teams und Fahrer so schnell wie möglich in die Lage zu versetzen, Rennen gewinnen zu können. Das Konzept ging auf: In der ersten vollen Saison 2011 avancierte der SLS AMG GT3 zum erfolgreichsten Newcomer des Jahres. 40 Exemplare des Fahrzeugs wurden an Teams aus aller Welt verkauft, die damit auf vier Kontinenten über 20 Siege herausfuhren. Gekrönt wurde das Debütjahr durch den Team-Titel in der damaligen FIA GT3 Europameisterschaft für HEICO Motorsport. Getragen von den Erfolgen etablierte sich der Kundensport neben Formel 1 und DTM rasch als dritte Säule des damaligen Motorsport-Engagements der Daimler AG.

Grand-Slam 2013

In den Folgejahren wurden sowohl der SLS AMG GT3 als auch das flankierende Programm kontinuierlich weiterentwickelt. Neben spektakulärem Design, exzellenter Fahrbarkeit und innovativem Sicherheitskonzept erwies sich dabei vor allem die zuverlässige Langstrecken-Performance als Erfolgsfaktor. Eine imposante Bestätigung dafür lieferte die Saison 2013, in der die Kundenteams den „Grand Slam“ aller großen GT3-Langstreckenklassiker gewannen – das 24-Stunden-Rennen von Dubai, das 12-Stunden-Rennen von Bathurst, das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps. Der Erfolg in Belgien durch das Team HTP Motorsport mit Maximilian Buhk, Maximilian Götz und Bernd Schneider war zugleich der 100. Sieg für den SLS AMG GT3 seit Beginn des Kundensportprogramms.

Spezialaufträge

Zur zehnjährigen Kundensport-Historie gehört auch ein Rennfahrzeug, das im Rahmen eines Sonderprojekts entstand: 2014 entwickelte Mercedes-AMG den CLA 45 AMG Racing Series, der in einer Kleinserie von 29 Exemplaren gefertigt wurde und seither in einem eigenen Markenpokal, dem CLA AMG Cup, innerhalb der brasilianischen Mercedes-Benz Challenge zum Einsatz kommt.

Das Erbe des Flügeltürers

Herzstück des Kundensportprogramms von Mercedes-AMG war und ist jedoch der GT-Sport. Mit dem 2015 vorgestellten Mercedes-AMG GT3 ging einmal mehr der 6,3-Liter-V8-Sauger an den Start. Das sequenzielle Sechsgang-Getriebe wurde für das neue Modell weiter optimiert, was Zuverlässigkeit brachte. Auch dem Anspruch höchster Sicherheit – unter anderem durch eine Carbon-Sitzschale und eine mit dem Aluminium-Spaceframe verschraubte Sicherheitszelle – blieb der Mercedes-AMG GT3 treu. In die Neuentwicklung gingen weiter die Erfahrungen von Bernd Schneider und vor allem Thomas Jäger ein, die auch schon bei der Entwicklung des SLS AMG GT3 mitgewirkt hatten.

Ein Sieg für die Ewigkeit

Wie der Vorgänger erlebte auch der neue GT3 seine Feuertaufe bei der VLN auf der Nürburgring-Nordschleife: Beim ersten Test unter Rennbedingungen wechselten sich am 4. Juli 2015 Bernd Schneider, Thomas Jäger und Jan Seyffarth am Steuer ab. In seiner ersten vollen Saison 2016 sorgte der „Newcomer“ schließlich für eine Premiere mit Paukenschlag: Bei der 44. Auflage des ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring gingen die ersten vier Plätze sowie der sechste Rang an Teams mit dem Mercedes-AMG GT3. Den Sieg sicherten sich Maro Engel, Bernd Schneider, Manuel Metzger und Adam Christodoulou im neuen GT3, eingesetzt von BLACK FALCON. Der historische Vierfachsieg vom 29. Mai 2016 markiert bis dato den größten Einzelerfolg sowohl in der Customer Racing Geschichte von Mercedes-AMG als auch in den Annalen des Langstreckenklassikers. Die auf Anhieb hohe Wettbewerbsfähigkeit beflügelte auch die Nachfrage: Mit knapp 70 ausgelieferten Fahrzeugen wurden die Erwartungen im Premierenjahr deutlich übertroffen.

Start in der GT4

Bestärkt durch die Erfolge und die nach wie vor steigende Popularität des GT-Sports wurde 2017 das Angebot um eine neue Fahrzeugklasse erweitert. Der beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps vorgestellte Mercedes-AMG GT4 vereint große Seriennähe mit wegweisenden Sicherheits-Features, bewährten Rennsport-Technologien und hoher Wirtschaftlichkeit. Die perfekte Basis lieferte der Mercedes-AMG GT R (Kraftstoffverbrauch kombiniert: 11,4 l/100 km, CO2-Emissionen kombiniert: 259 g/km)1 mit seinem leistungsstarken 4,0-Liter-V8-Motor mit Direkteinspritzung und Biturbo-Aufladung. Trotz der reglementbedingten Nähe zum Serienmodell erhalten die Customer Racing Teams mit dem neuen Mercedes-AMG GT4 ein wesentlich reinrassigeres Rennfahrzeug, als es bislang in dieser Fahrzeugklasse üblich war.

Wie schon bei der Einführung von SLS AMG GT3 und Mercedes-AMG GT3 ging der Premiere des GT4 eine intensive Test- und Erprobungsphase voraus. Traditionell erfolgte das Renndebüt in der „Grünen Hölle“: Beim VLN-Lauf am 19. August 2017 konnte das Mercedes-AMG Testteam Uwe Alzen Automotive mit Fabian Hamprecht, Mercedes-AMG Test- und Entwicklungsfahrer Thomas Jäger sowie Mike Stursberg gleich beim ersten Rollout einen Klassensieg feiern.

Die nächste Generation

Der Nürburgring war 2019 auch Schauplatz für die Premiere des neuesten Mercedes-AMG GT3. Die im Rahmen des 24-Stunden-Rennens vorgestellte Weiterentwicklung hat eine neue Optik und zahlreiche technische Optimierungen, die die ohnehin performance-starken Eigenschaften des Vorgängers nochmals verbessern. Gesenkte Betriebskosten und gesteigerte Servicefreundlichkeit tragen dazu bei, die Renneinsätze der Teams noch effektiver und wirtschaftlicher zu gestalten. So wurde beispielsweise die Motorlaufzeit auf 25.000 Kilometer erhöht. Revisionen des ohnehin als besonders zuverlässig bekannten AMG 6,3-Liter-V8-Saugmotors sind damit noch seltener notwendig. Daneben wurden mit dem neuen AMG GT3 weitere Benchmark-Innovationen eingeführt, wie etwa die optional erhältliche Drop-Start-Funktion oder ein Tracking-System, mit dem sich die Laufzeiten von Fahrzeugkomponenten automatisch erfassen und auswerten lassen.

Nach ersten Testeinsätzen 2019 konnte die neue Speerspitze der GT-Flotte am 2. Februar 2020 das erste Podium feiern: Beim legendären 12-Stunden-Rennen von Bathurst, dem Saisonauftakt der Intercontinental GT Challenge (IGTC), holte sich das Mercedes-AMG Team Triple Eight Race Engineering mit Shane van Gisbergen, Maximilian Götz und Jamie Whincup den dritten Platz.

Nach der Weiterentwicklung des GT3 erhält nun auch der GT4 ein Update mit neuen Design-Elementen und technischen Optimierungen, die vor allem die Langstrecken-Performance weiter steigern. Wie beim GT3 gehen die Neuerungen mit gesenkten Betriebskosten einher. Mit den beiden neuen GT-Fahrzeugen hat Mercedes-AMG die Weichen für eine erfolgreiche Fortsetzung seines Customer Racing Engagements gestellt. Zur Feier der Jubiläumssaison 2020 wird es sowohl vom Mercedes-AMG GT3 als auch vom Mercedes-AMG GT4 limitierte Sondermodelle geben.

Stimmen zum AMG-Kundensport:

Seit dem ersten SLS AMG GT3 hat Mercedes-AMG insgesamt über 400 Rennfahrzeuge an internationale Kunden verkauft. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der Customer Racing Teams kontinuierlich: Aktuell sind knapp 100 Mannschaften weltweit mit den Fahrzeugen aus Affalterbach aktiv. Die Statistik der GT3- und GT4-Einsätze zählt seit 2010 über 6.000 Rennstarts in über 120 Rennserien, die zu mehr als 400 Gesamtsiegen, knapp 800 Klassensiegen und über 170 nationalen und internationalen Meisterschaften führten. Damit gehört Mercedes-AMG Customer Racing heute zu den größten und erfolgreichsten Kundensport-Abteilungen am Markt.

Tobias Moers, Vorsitzender der Geschäftsführung der Mercedes-AMG GmbH: „Parallel zu unserem stark gewachsenen Portfolio an Straßenfahrzeugen hat sich auch unser Customer Racing Programm in den vergangenen zehn Jahren unheimlich stark entwickelt. Bereits von Beginn an waren wir mit dem SLS AMG GT3 erfolgreich und messen uns seither auf den weltweiten Motorsportbühnen mit allen anderen namhaften Sportwagenherstellern um Siege und Meisterschaften. Das ist zweifellos auch das Verdienst unserer vielen Kundenteams auf der ganzen Welt, die an jedem Rennwochenende ihr Bestes geben. Nicht zuletzt dank der großen Seriennähe der GT3- und GT4-Fahrzeuge haben diese Erfolge einen positiven Abstrahleffekt auf unsere Marke und untermauern die hohe Performance unserer Produkte. Mit unserem System der gleichberechtigten Unterstützung aller Kunden bis hin zur Möglichkeit für Teams, unsere Rennfahrzeuge auf Mietbasis einsetzen zu können, unterstreichen wir auch den starken Service-Charakter unseres Programms. Das zehnjährige Jubiläum ist ein guter Anlass, um nicht nur zurückzublicken, sondern auch nach vorne zu schauen: Mit unseren neuen GT3- und GT4-Fahrzeugen werden wir alles daransetzen, unseren Führungsanspruch, den wir in den vergangenen zehn Jahren aufgebaut haben, auch in der nächsten Dekade weiter auszubauen. Dafür wünsche ich allen Fahrern und Teams viel Erfolg.“

Stefan Wendl, Leiter Mercedes-AMG Customer Racing: „Das Customer Racing Programm von Mercedes-AMG ist weltweit einmalig. Die Kundenteams können sich bei uns auf Top-Fahrzeuge und maximalen Support verlassen. Zugleich haben wir in den vergangenen Jahren unsere gezielte werksseitige Unterstützung bei den GT-Highlights wie der IGTC, beim FIA GT World Cup in Macau oder den 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa deutlich ausgebaut. Und das mit Erfolg: Was die Rennsiege und Meisterschaften angeht, konnten wir uns von Jahr zu Jahr steigern. Das ist nicht selbstverständlich, denn der Wettbewerb nimmt stetig zu und die Qualität im Fahrerfeld steigt ebenfalls. Für uns ist das ein Ansporn, auch weiterhin unser Bestes zu geben. Im Jubiläumsjahr dürfen sich die Fans auf einige Highlights freuen. Und auch für die weitere Zukunft haben wir bereits Pläne zum Ausbau unseres Programms.“

Bernd Schneider, Mercedes-AMG Markenbotschafter: „Die Straßenversion des SLS AMG war seinerzeit das erste Fahrzeug, das Mercedes-AMG komplett in Eigenregie entwickelt hatte. Uns war sofort klar, dass wir diesen faszinierenden Sportwagen unbedingt auch in einer GT3-Version auf die Rennstrecke bringen wollen. Das war dann auch der Startschuss für das Kundensportprogramm. Wir haben sehr intensiv an der Umsetzung gearbeitet, damit es die Teams und Fahrer so einfach wie möglich haben. Denn eines war immer klar: Wenn Mercedes-AMG in den Kundensport einsteigt, dann nicht um hinterherzufahren! Das ist uns mehr als gelungen. Ich bin sehr froh, ein Teil dieser Erfolgsgeschichte zu sein, und dass ich zur Entwicklung des SLS AMG GT3 und aller weiteren Kundensportfahrzeuge beitragen durfte.“

Thomas Jäger, Koordinator Mercedes-AMG Customer Racing Programm: „Wir haben das Customer Racing Programm vor zehn Jahren gegründet, um der Motorsport-Leidenschaft unserer weltweiten Kunden eine neue Heimat zu geben. Das Ziel war es, sie mit exzellenten Produkten und umfassendem Service erfolgreich zu machen. Seit unserem Einstieg in den GT-Sport haben wir mit jedem Fahrzeug neue Standards in Sachen Performance, Sicherheit, Fahrbarkeit und Wirtschaftlichkeit gesetzt. Das ist auch unser Anspruch für die Zukunft. Die Erfolge und die Treue unserer Kunden sind für uns der größte Ansporn, auch weiterhin Benchmark-Produkte auf den Markt zu bringen und unseren Kunden mit dem Customer Racing Programm eine verlässliche Plattform zu bieten.“

Fotos: Mercedes-AMG

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