Porsche 911 Turbo G-Modell: Zum Mond und zurück

Dass Porsche-Sportwagen solide gebaut sind, hört man öfter. Dass Porsche-PS doppelt zählen, auch manchmal. Dass jemand mit seinem 44 Jahre alten Porsche 911 Turbo G-Modell, auch Porsche 930 genannt, schon deutlich mehr als 1.000.000 Kilometer zurückgelegt hat, sehr selten. So wie Bill MacEachern.

44 Jahre ist es mittlerweile her, dass sich der Kanadier einen der ersten Porsche 911 mit Turbomotor kaufte: „Aufgewachsen bin ich mit Muscle Cars“, erzählt Bill. „Als junger Mann hatte ich ein Oldsmobile 4-4-2. Der gab im Autokino eine gute Figur ab, fuhr sich aber wie ein Milchlaster.“. Beste Vorraussetzungen also, damit die erste Begegnung mit einem Porsche 1970, ein roter 911 T, einen bleibenden Eindruck hinterlässt: „Ich konnte nicht fassen, wie wendig, durchdacht und ausbalanciert dieses Auto war. Und obendrein bequem, obwohl er so knapp bemessen und sportlich war.“.

Danach war die Leidenschaft für die Sportwagen aus Zuffenhausen in Deutschland entfacht. Für seine Teppichreinigungsfirma kaufte er sich einen silbernen 911 als Dienstwagen. Kurz darauf folgte die nächste schicksalhafte Begegnung: „1972 sah ich bei einem Can-Am-Rennen zum ersten Mal einen Porsche 917/10. Absolute Power im Bruchteil einer Sekunde – das erschien mir wie ein Raketenantrieb.“. Doch es dauert noch mehrere Jahre, bis Porsche den 911 Turbo, Typ 930, offiziell in Kanada vertreibt. Auch Warnungen des Händlers, dass mit dem 911 Turbo nicht zu spaßen sei, und ob es weniger Leistung nicht auch tun würde, verhallen ohne Wirkung. Ein Turbo muss her.

Fotos vom Porsche 911 Turbo 3.3 930 G-Modell:

Trotz Ölkrise wird im Herbst 1975 ein 911 Turbo in Midnight Blue mit Korkleder-Interieur, Sportsitzen und Sperrdifferenzial bestellt. Bill freut sich, einen „so wunderbar unvernünftigen, radikalen Sportwagen“ kaufen zu können. Bis Mai 1976 dauert es, dann kommt der Elfer mit der Seriennummer 350 per Luftfracht aus Deutschland. MacEachern bekommt am Flughafen erstmal einen Schreck: „Er schien die falsche Farbe zu haben. […] Tatsächlich lag nur eine Staubschicht auf dem Auto.“ Bis zur ersten längeren Reise dauert es ein paar tausend Kilometer. „Meine erste längere Fahrt führte mich quer durch Ontario und Quebec zu einem Trans-Am-Rennen in Trois Rivières“. Passenderweise gehen die ersten beiden Plätze an Porsche 934-Modellen: George Follmer und Al Holbert. MacEachern gefällt die Atmosphäre. Von Sebring über West Palm Beach in Florida, Road Atlanta in Georgia, Lime Rock und Watkins Glen in Neuengland ist kein Rennen vor ihm sicher. Fünf Mal fährt er quer durchs ganze Land zu den Monterey Historic Races an der Westküste in Kalifornien.

Bis 2006 hat der 930 Turbo bereits 641.312 Kilometer auf der Uhr. Da bleiben auch Reparaturen nicht aus, auf dem Weg nach Monterey zerlegt es eine Lüfterriemenscheibe: „Ersatz zu bekommen, war im Süden Oregons unmöglich. […] Aber ich fand eine Werkstatt, die die defekte Scheibe schweißte.“. 2009 steht der Tacho bei 850.000 Kilometer und der erste ernstere Unfall passiert. Ein SUV kracht rein, die Antriebswelle bekommt was ab, der Kotflügel nicht minder, ein Querlenker ist hinüber. Doch genau in dem Moment fährt der örtliche Volkswagen-Vertreter vorbei, schleppt den Elfer ab und bekommt ihn so schnell wieder auf die Straße, dass Bill mit 30 Stunden nonstop hinter dem Lenkrad noch rechtzeitig nach Monterey schafft. 2012 dann das Jubiläum: Der 930 Turbo hat
1.000.000 Kilometer auf der Uhr: „Die Eine-Million-Schallmauer haben wir auf dem Weg zur Oldtimer-Tauschbörse in Hershey, Pennsylvania, durchbrochen. […] Zurück in Toronto, haben wir darauf angestoßen.“.

Mittlerweile steht der Porsche 911 Turbo G-Modell bei 1.253.584 Kilometer und ist immernoch fast täglich im Einsatz. „Der 930 hat eine Zeitenwende eingeläutet. Die Turbo-Porsche haben auf der Rennstrecke und auf der Straße Maßstäbe gesetzt. Und einen der ersten zu fahren, ist ein unvergleichliches Privileg.“, sagt Bill MacEachern. Alte Liebe rostet nicht.

Fotos: Rennfilms

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