Porsche 911 Safari: Das perfekte Stadtauto?

Wer schon mal Los Angeles besucht hat, weiß ziemlich schnell zwei Dinge über die Stadt. Das erste: Man braucht ein Auto. Die Stadt ist so weitläufig und der öffentliche Nahverkehr so schlecht (es gibt nur zwei U-Bahn-Linien), dass man anders kaum einen Überblick über L.A. bekommt. Zweitens: Aufgrund all des Autoverkehrs sind die Straßen in einem spektakulär schlechten Zustand. Nun sind die meisten Amerikaner große Pick-Up-Fans und stecken die Bodenwellen locker weg. Autojournalist Matt Farah hat jedoch einen Hang zu Sportwagen. Also beschloss er, aus der Not eine Tugend zu machen.

„Wir sind gesegnet mit Orten wie dem Angeles National Forest und den Malibu Canyons, zwei der großartigsten Orte der Welt, um einen Sportwagen zu fahren, aber die Stadt selbst ist ein Albtraum“, erklärt Farah. „Die Infrastruktur ist marode, Straßen werden nur oberflächlich erneuert, die Fahrbahnübergänge auf dem Freeway sind der Albtraum jedes Sportwagenfahrers und für eine so weitläufige Stadt wie LA ist es immer furchtbar voll auf den Straßen. Für niedrige, moderne Sportwagen ist diese Stadt eine echte Herausforderung.“. Daher fuhr auch Matt mit Pick-up mit Baja-Fahrwerk und riesigen Reifenflanken durch die Gegend. Doch sobald man tiefer in die Innenstadt kommt, ist selbst das autofreundliche Los Angeles für Offroader zu eng. Eine Lösung musste her: „Ich wollte ein ähnliches Fahrzeug wie den Truck, aber kleiner, daher war ein Rallye-Fahrzeug naheliegend. Ich bin den Safari 911 von Leh Keen gefahren und mir ist ein Licht aufgegangen.“

„Für eine so weitläufige Stadt wie LA ist es immer furchtbar voll auf den Straßen. Für niedrige, moderne Sportwagen ist diese Stadt eine echte Herausforderung.“ – Matt Farah, Autojournalist

Der zweifache Grand-Am Rolex GT-Champion Leh Keen arbeitete fünf Jahre an dem Entwurf und Bau des Safari 911. Farah durfte Keens ersten Safari-Prototyp in seiner Sendung „/DRIVE“ testen. Obwohl der Safari „ganz anders ist als das, was die meisten Menschen normalerweise mit einem 911 im Sinn haben“, war er sofort begeistert: „Gleich im Anschluss schickte ich ihm einen Scheck für die Anzahlung.“ Herausgekommen ist „The Keen Project“. Kunden kommen mit ihrem 911er G-Modell, gebaut zwischen 1979 und 1989, vorbei, oder überlassen auch diesen Teil Keen. Farah entschied sich für die erste Option, um „Lackierung, Jahr und Interieur“ selbst in der Hand zu haben. Außerdem sollte es ein Fahrzeug aus den Jahrgängen 1987 bis 1989 mit dem zuverlässigen G50-Getriebe sein, welches unter G-Modell-Enthusiasten einen sehr guten Ruf genießt. Heraus kam ein 87er 3.2 Carrera in Cassisrot.

Fotos vom Porsche 911 Safari Carrera 3.2 G-Modell:

„Bei der Farbe war ich mir wirklich unsicher. Der eigentliche Plan war: Egal welches Auto ich finde, ich lackiere es in Seeblau, der für mich vermutlich schönsten Farbe von Porsche aller Zeiten. Ich suchte nur nach einem sauberen Coupé mit G50-Getriebe und gerader Karosserie. Wie es der Zufall so wollte, war der Mann, der den Wagen verkaufte, nicht gerade Annie Leibovitz. Er hatte nämlich in der Mittagssonne Fotos vom Wagen geschossen, was das Cassisrot fürchterlich aussehen ließ, ein bisschen wie der Lippenstift von Cyndi Lauper. Ich äußerte mich auf Instagram kritisch über die Farbe und sagte, dass ich den Wagen umlackieren würde, was einen Aufschrei unter den Puristen verursachte. Der Preis war gut und alles andere schien auch zu stimmen. Als ich dort ankam, um das Auto abzuholen, sah ich, dass die Farbe in Wirklichkeit großartig war, und beschloss umgehend, das Auto doch nicht umzulackieren.“ Der Lack blieb erhalten, im Gegensatz zu diversen anderen Teilen: Schutzbügel, Unterfahrschutz, Rallye-Fernscheinwerfer, Seitenspiegel, verkleinerte Stoßfänger, Braid Motorsport Fuchs Felgen, Elephant Racing Safari-Fahrwerk, eine Quaife Differentialsperre und BF Goodrich K02 Reifen. Letztere sind das einzige Bauteil, welches sich der Porsche mit dem alten Pick-Up teilt.

Innen dominiert ein ganz spezielles Design: „Keen fand tatsächlich den handelsüblichen Bezugsstoff für die Sitze der Stadtbusse von LA; als ich den Stoff sah, war ich sofort begeistert. Das Auto war werkseitig mit Vollleder in Burgund ausgestattet, das noch in einem hervorragenden Zustand war, sodass wir den Dachhimmel, das Obermaterial der Türen und des Armaturenbretts sowie den Boden beibehalten konnten. Wir waren uns unsicher, ob der in den Bussen verwendete Stoff zu dem Burgund-Leder passen würde, was aber gut harmoniert. Am schwierigsten war das passende MOMO Prototipo Lederlenkrad; anscheinend waren 20 Versuche notwendig, bis es richtig eingebaut war. Daher musste ich übergangsweise sechs Monate lang mit einem schwarzen Lenkrad vorliebnehmen. Man kann sagen, dass wir das klassische Pascha-Muster komplett auf die Spitze getrieben haben. Dabei ist der Stoff aber auch sehr funktional, denn er ist auf eine Lebensdauer von 20 Jahren in einem Stadtbus ausgelegt. Wahrscheinlich wird er länger halten als das Auto selbst.“

Nach dem Innenraum war noch einiges am Motor zu revidieren, bevor der 911er wieder auf die Straße konnte. Für Farah ist das Ergebnis tatsächlich der perfekte Daily Driver geworden: „Ich fahre damit wirklich jeden Tag. Kürzlich habe ich drei Pakete Feuerholz hinter den Rücksitzen verstaut. Ich meine, das Auto ist nicht für wilde Fahrten durch Canyons oder auf der Rennstrecke ausgelegt, sondern um einzukaufen, zur Arbeit zu fahren, Besorgungen zu machen und dann ein bisschen Offroad-Spaß zu haben. Es vereint die besten Eigenschaften eines Baja-Trucks mit denen eines luftgekühlten 911.“.

Fotos: Porsche

[Gesamt: 1   Durchschnitt:  5/5]

Ein Gedanke zu „Porsche 911 Safari: Das perfekte Stadtauto?

  • 15/04/2020 um 8:59
    Permalink

    Absolutes Traumauto. Schönste 911er Serie imho

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.