Porsche 356 Speedster-Umbau auf 930 Turbo

Das Jahr 1996. Ein Wirtshaus in Klein-Neusiedl, einer 900-Seelen-Gemeinde knappe 25 Kilometer südöstlich von Österreichs Hauptstadt Wien. Viktor Grahser, gelernter Flugzeugmechaniker, kam vor drei Jahren der Liebe wegen zurück nach Österreich. Ein paar Tische weiter sitzt der Sohn der Wirtin, Rudolf Schmied, Mitte 20. Schnell sind Themen gefunden, stellt sich die gemeinsame Liebe zu Blech und Vortrieb heraus. Schmied hilft dem Porsche-Fan Grahser Ersatzteile zu beschaffen, es vergehen jedoch acht Jahre, bis Grahser Schmied erstmals in sein Haus einlädt. Er wolle ihm etwas zeigen, was er noch nie jemandem gezeigt habe, sagt er. „Und bring deine Kamera mit!“.

„Here we go, my friend“, sagt Grahser, als sie im Wohnzimmer vor der Rohkarosse eines Porsche 356 Speedster stehen. Nur ein Scheinwerfer, weder Bodenblech noch Sitze, der Motor liegt neben einem Holzstapel. Im Kopf von Viktor Grahser jedoch existiert nicht ein Haufen altes Blech, sondern ein auf Turbo-Technik aus einem Porsche 911 Typ 930 umgebauter „Super-356“. Grahsers großer Traum ist es, auch mit diesem Fahrzeug ein Porsche-Museum in seiner Heimat Österreich zu schaffen. Die ersten drei Fahrzeuge dafür besitzt er bereits, nur restauriert müssen sie halt noch werden. Während der 356 Speedster, einer von nur wenigen gefertigten Rechtslenkern, im Wohnzimmer steht, befinden sich die anderen beiden vor der Tür in einem Schiffscontainer, den sie seit der Ankunft in Deutschland noch nicht verlassen haben: Oben ein Porsche 356 A Coupé, das teilweise zu einem 356 Speedster mit 911-Technik und 2,7-Liter-Motor mit mechanischer Einspritzpumpe umgebaut worden ist. Darunter Grahsers Lieblingsauto, ein Porsche 356 B Roadster von 1959 mit 3,0-Liter-Turbomotor aus dem Porsche 911 (Typ 930) von 1977.

Fotos vom Porsche 356/930 Turbo:

Das Projekt nimmt jedoch zunächst mit Grahsers Tod im Mai 2008 ein unerwartetes Ende. Bis 2012 dauert es, dass Rafael Diez auf die drei Porsche 356 Speedster aufmerksam wird. Er hat über Umwege von Grahser und dessen drei Porsche erfahren. Diez gelangt an einen Händler in Stephanskirchen, der Grahsers Sportwagen über dessen Nachlassverwalter bezogen hat, erwirbt das Porsche-Trio und erkennt auf Grahsers nicht zu Ende geführte Absicht: Die verbreiterten Radläufe, die auf zwei Kühllufteinlässe erweiterte Motorhaube und die für einen 356 ungewöhnliche Frontlippe, angelehnt an die des Porsche 911 S. Es folgen diverse Karosseriearbeiten, eine neue Lackierung, die Abstimmung von Motor und Getriebe. Sogar den Umbau auf Linkslenker lässt sich Diez nicht nehmen. Die Frontscheibe wird mit Chromband genau in den Rahmen eingepasst.

2018 berichtet Diez seinem Bekannten Walter Röhrl von dem 356 B Roadster und bittet ihn, ein paar Testfahrten mit dem Porsche 356/930 vorzunehmen. „Ich bin ein großer Freund von alten Autos, sie geben einem noch das Gefühl, etwas können zu müssen“, sagt Röhrl. „An den umgebauten 356 B Roadster mit Turbo-Technik bin ich sehr vorsichtig rangegangen, zu viel war augenscheinlich verändert worden. Umso verwunderter war ich, wie perfekt ausbalanciert er sich bereits beim ersten Versuch anfühlte. Vorne die tiefe Lippe, hinten der schwere Motor, 260 PS – der fährt sich ruhig, präzise und macht richtig Spaß.“ Derart angetan dauerte es nicht lange, bis Röhrl den „Porsche 356 3000 RR“ übernahm. Die 3000 steht für den Hubraums, „RR“ für „Röhrl Roadster“. Auf der Motorhaube finden sich dazu passend Röhrls vier Siegerplaketten von der Rallye Monte Carlo. Im Innenraum ist ein 911-Lenkrad mit 356-Kranz verbaut, auch die Instrumente erinnern an einen Elfer. So ging Viktor Grahsers Traum, ein 356 mit Elfer-Technik, doch noch in Erfüllung.

Fotos: christophorus.porsche.com

[Gesamt: 3   Durchschnitt:  5/5]

2 Gedanken zu „Porsche 356 Speedster-Umbau auf 930 Turbo

  • 07/04/2020 um 10:19
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    Ein Traumauto. Wenn ich Ahnung hätte würde ich selber sowas bauen

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  • 09/04/2020 um 9:46
    Permalink

    Wahnsinn, ein absoluter Traum. Die 356er sind einfach zeitlos. Und man könnte auch noch viel aktuellere Technik einbauen.

    Antwort

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