Isdera Commendatore 112i: Ein ganz seltener Silberpfeil

Der Isdera Commendatore 112i ist ein vom deutschen Kleinserienhersteller Isdera entwickeltes Konzeptfahrzeug. Der auf der Frankfurter Automobilausstellung 1993 vorgestellte 112i hatte eine kompakte und schlanke aerodynamische Karosserie und sollte ein Nachfolger des Imperator 108i sein, doch der Mangel an finanziellen Reserven führte das Unternehmen in die Insolvenz und nur ein Prototyp wurde fertiggestellt. Ein zweites Auto wurde 1999 gebaut und an einen Schweizer Geschäftsmann verkauft.

Geschichte und Entwicklung

Nachdem der Imperator 108i 1993 die Produktion eingestellt hatte, arbeitete Isdera an der Entwicklung eines neuen Modells. 1989 nahmen die ersten Tonmodelle Gestalt an und 1993 wurde die Fahrzeugentwicklung gestartet. Das neue Auto mit dem Namen Commendatore 112i wurde zu Ehren von Enzo Ferrari benannt (Ferrari erhielt den Titel Commendatore II). Commendatore bedeutet Kommandant in italienischer Sprache. Das schlanke Design wurde von den berühmten Rennwagen der Gruppe C inspiriert. Der Firmengründer Eberhard Schultz engagierte Ingenieure und Techniker von Mercedes-Benz mit Zustimmung des Unternehmens bei der Entwicklung des Autos.

Der 112i verfügte über ein von Getrag gebautes 6-Gang-Schaltgetriebe, das die Kraft auf die Hinterräder übertrug. Dasselbe Getriebe arbeitete auch im Porsche 911 Turbo, die ABS-Bremsen (330 mm und 305 mm vorne) und das Federungssystem wurden mit dem Porsche 928 geteilt, während die Scheinwerfer vom Porsche 968 kamen. Das Auto hat eine handgefertigte Karosserie auf einem Stahlrohr-Spaceframe-Chassis und 18-Zoll-BBS-Felgen. Die Reifendimensionen liegen bei 255/35 ZR18 vorn und 295/35 ZR19 hinten. Die großen seitlichen Ansaugöffnungen tragen zur Kühlung des Motors bei. Der Motor war ein 6,0-Liter-Mercedes-Benz M120 V12-Aggregat (zuerst im Mercedes-Benz C112 und später im Mercedes-Benz SL600 AMG und im Pagani Zonda S). Er wurde speziell auf das Getrag-Getriebe angepasst, unter anderem mit einem selbst entwickelten Schwungrad und der Bosch-Motorsteuerung. Der Motor erzielte eine maximale Leistung von 304 kW / 408 PS bei 5.200 U / min und ein maximales Drehmoment von 580 Nm bei 3.800 U / min.

Fotos vom Isdera Commendatore 112i:

Der 112i verfügte zu dieser Zeit über fortschrittliche Technologien, darunter Flügeltüren, eine Motorabdeckung mit Flügeltüren für einen leichteren Zugang zum Motor, ein geschwindigkeitsabhängiges Fahrwerk, welches das Auto bei hohen Geschwindigkeiten um 76 mm absenkte, und eine aktive Federung sowie eine elektronisch gesteuerte Druckluftbremse. Der 112i behielt den Periskoprückspiegel vom Imperator 108i anstelle der herkömmlichen Seitenspiegel. Es hat einen flachen Unterboden und den Scheibenwischer aus einem Hochgeschwindigkeitszug für eine verbesserte Aerodynamik. Das lange Heck des Autos verbesserte auch den Luftstrom darüber. Die Luftbremse wurde beim Bremsen aufrecht in den Wind gestellt, um das Fahrzeug zu verlangsamen (ähnlich einem Fallschirm). Beim Test im Mercedes-Benz Windkanal hatte das Auto einen Luftwiderstandsbeiwert von 0,306.

Der Innenraum des Wagens war größtenteils maßgefertigt und enthielt zweifarbige blau-schwarze Lederpolster sowie RECARO-Ledersportsitze. Das Auto hatte breite Türschwellen, in denen die beiden Kraftstofftanks untergebracht waren. Die Zifferblätter und andere Instrumente (mit Ausnahme des OMP-Lenkrads) stammten von Mercedes-Benz, und der Tachometer erreichte eine Geschwindigkeit von bis zu 400 km/h. Isdera plante wie sein Vorgänger eine limitierte Auflage des 112i und gab an, dass die Fertigstellung jedes Wagens sechs Monate dauern würde. Das Auto war nicht funktionsfähig, als es vorgestellt wurde. Die Entwicklung des Autos habe insgesamt 4.000.000 DM gekostet. In Verbindung mit der anhaltenden wirtschaftlichen Rezession geriet das Unternehmen kurz nach der Einführung des Autos in Konkurs. Das Unternehmen wurde dann von Schweizer Investoren gekauft, unter denen Schultz das Auto fertigstellte, um es auf der Straße fahrbar zu machen. Sechs Jahre später wurde ein weiteres voll funktionsfähiges Auto auf der Basis des Commendatore 112i hergestellt und „Silberpfeil“ getauft. Außen hatte das Auto herkömmliche Seitenspiegel und statt der goldenen BBS-Einheiten silberne Mercedes-Benz-Leichtmetallräder mit fünf Speichen. Als Motor kam ein 6,9 Liter großer Mercedes M120 V12 zum Einsatz, der insgesamt 455 kW / 611 PS leistete. Interessanterweise befand sich auf dem Auto kein Isdera-Emblem, sondern das Mercedes-Benz-Symbol. Der Silberpfeil wurde 1999 auf der Frankfurter Automobilausstellung vorgestellt.

Der Silberpfeil wurde von dem Schweizer Geschäftsmann Albert Klöti zu einem Preis von 1.500.000 € gekauft. Albert hat das Auto 5 Jahre lang aufbewahrt, nachdem er es 2005 bei eBay für 3.000.000 US-Dollar zum Verkauf angeboten hatte. Das Auto konnte nicht verkauft werden, danach wurde es 2010 erneut verkauft. Der ursprüngliche Commendatore 112i wurde von Isdera aufbewahrt und erscheint auf Automobilausstellungen.

Der Commendatore 112i wurde 1997 im Electronic Arts-Videospiel Need for Speed II vorgestellt. Der Silberpfeil war Teil eines kurzen Dokumentarfilm über Albert Klöti.

Leistungsdaten

Der 112i soll in 4,7 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 341 km/h erreichen. Der Silberpfeil soll im Test eine Höchstgeschwindigkeit von 370 km/h erreicht haben.

Fotos: supercars.net

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