BMW M1

Vor vier Jahrzehnten wurde für ihn eigens eine neue Rennserie ins Leben gerufen, heute ist der BMW M1 auch für die Fans historischer Fahrzeuge eine Klasse für sich. Am 12. Mai 1979 wurde im belgischen Zolder das erste Rennen der neugeschaffenen Procar Serie gestartet. Im Rahmenprogramm des Formel-1-Rennens um den „Großen Preis von Belgien“ erhielten internationale Privatfahrer erstmals die Gelegenheit, sich in technisch identischen BMW M1 mit den Topstars des Motorsports zu messen. Gewinner des Auftakt-Rennens war der italienische Formel-1-Pilot Elio de Angelis, viele weitere bekannte Fahrer folgten ihm auf dem Siegerpodest, darunter Jacques Laffite, Niki Lauda, Nelson Piquet und Carlos Reutemann.

Doch immer wieder gelangten auch weniger prominente Privatfahrer ganz nach vorn. Für die Zuschauer wurde das Kräftemessen in den jeweils 480 PS starken BMW M1 zu einem spannungsgeladenen Spektakel, auf das Jochen Neerpasch, der damalige Geschäftsführer der BMW Motorsport GmbH und Initiator der Procar Serie auch Jahre später noch stolz zurückblickte: „Die Procar Serie hat Geschichte geschrieben. Alle bedeutenden Formel-1-Fahrer jener Zeit sind den BMW M1 gefahren. Das hat keine andere Marke geschafft.“ Jochen Neerpasch, der vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag feierte, gilt auch als „Vater“ des BMW M1, dem er mit der Procar Serie eine besonders publikumswirksame Bühne bescherte. Der Vorstand der BMW AG hatte ihm den Auftrag erteilt, ein Rennfahrzeug für die Markenweltmeisterschaft und verschiedene deutsche und amerikanische Wettbewerbe zu entwickeln, das auch alle Voraussetzungen für eine Straßenzulassung erfüllen sollte. Da ein derartiges Projekt von der erst 1972 gegründeten BMW Motorsport GmbH nicht im Alleingang zu bewältigen war, fand Neerpasch externe Partner für Entwicklung und Produktion. Die Firma Italdesign mit ihrem Chefdesigner Giorgetto Giugiaro gestaltete in Anlehnung an die Studie BMW turbo aus dem Jahr 1972 die nur 1,14 Meter hohe, keilförmige Karosserie des Mittelmotor-Sportwagens mit Klappscheinwerfern, großen Lufteinlässen und zwei Markenemblemen am Heck. Kombiniert wurde das italienische Design mit Motorenbaukunst aus Bayern. Der 3,5 Liter große Reihensechszylinder-Antrieb des BMW M1 wurde natürlich in Eigenregie entwickelt.

Deutlich problematischer gestaltete sich der Fertigungsprozess. Weil die Produktion von Rahmen und Rohkarosse sowie die Endmontage auf mehrere Partnerfirmen verteilt werden mussten, kam es zu Verzögerungen, die eine fristgerechte Homologation für Gruppe-4- und Gruppe-5-Rennen im Jahr 1979 verhinderten. Während das 277 PS starke Serienmodell des BMW M1 bereits auf dem Pariser Autosalon im Oktober 1978 auf Anhieb für Begeisterung sorgte, war für den Start seiner Motorsport-Karriere abermals Improvisationsvermögen gefragt. Neerpasch gelang es gemeinsam mit den Formel-1-Managern Max Mosley und Bernie Ecclestone, eine völlig neue Rennserie zu etablieren. Die prominenten Piloten wurden mit attraktiven Preisgeldern zum Mitmachen animiert und fanden schnell Vergnügen am Wettstreit mit den schnellen und handlichen BMW M1. In der Auftaktsaison sicherte sich Niki Lauda den Gesamtsieg in der Procar Serie, Champion des Jahres 1980 wurde Nelson Piquet. Der Brasilianer erinnerte sich auch später noch gern an den BMW M1: „Dieses Auto hat auf allen Kursen Spaß gemacht, es war ebenso schnell wie präzise zu fahren.“

Auch jenseits der Procar Serie konnte der BMW M1 sportliche Erfolge verbuchen. Vor allem in den Rennen der Gruppe 5 wurde das große Potenzial des Mittelmotor-Sportwagens deutlich. Die Motorleistung stieg mithilfe von zwei Turboladern auf bis zu 1.000 PS, gewaltige Spoiler halfen dabei, die enorme Kraft auf die Fahrbahn zu bringen. Im Rahmen der Deutschen Automobil-Rennsport-Meisterschaft 1981 lenkte Hans-Joachim Stuck den stärksten und auch optisch imposantesten BMW M1 zum Sieg auf dem Norisring und auf dem Salzburgring. Im gleichen Jahr sorgte er zudem auch in den USA für Aufsehen. Mit Platz eins und zwei in der Saison-Gesamtwertung war der BMW M1 das dominierende Fahrzeug in der populären amerikanischen IMSA GTO Championship.

Fotos: BMW

[Gesamt:1    Durchschnitt: 5/5]

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